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Grossbritannien

Queen-Sarg in London erwartet

Nach Festnahmen von Monarchie-Gegnern während der Zeremonien für die gestorbene Queen Elizabeth II. gibt es in Grossbritannien auch eine Debatte über womöglich mangelnde Meinungsfreiheit. Für die am Mittwoch geplante Prozession wurde in London schon nachts gross geprobt.
Am 14. September wird ihr Sarg in einer öffentlichen Prozession über die Mall vom Buckingham-Palast zur Westminster Hall überführt. Foto: Christian Charisius/dpa
Bild: Keystone/dpa/Christian Charisius

Der Leichnam der Queen wird in der britischen Hauptstadt am Abend erwartet. Er soll aus Edinburgh eingeflogen und dann zum Buckingham-Palast gefahren werden, wo er über Nacht bleibt. Auch in Papua-Neuguinea wurde Charles III. inzwischen offiziell zum neuen Staatsoberhaupt ernannt. Der britische König besucht mit Königin Camilla an diesem Dienstag Nordirland. Beim globalen Streamingdienst Netflix schnellte in den vergangenen Tagen die Abrufzahl der Queen-Serie "The Crown" nach oben.

Ruth Smeeth, die Chefin der Organisation Index on Censorship, bezeichnete die Festnahmen nach Protestäusserungen gegen die Monarchie der BBC zufolge als "sehr besorgniserregend" und forderte, die royalen Zeremonien dürften weder absichtlich noch unbeabsichtigt die Meinungsfreiheit der Bürger einschränken.

In Schottland wurden in den vergangenen Tagen zwei 22-Jährige wegen Landfriedensbruchs festgenommen, die bei der Ausrufung des neuen Königs Charles III. sowie einem Trauerzug für die Queen protestiert hatten. Auch in der englischen Universitätsstadt Oxford gab es eine Festnahme. Ausserdem zeigten Videoaufnahmen aus London, wie die Polizei eine Frau mit einem Schild mit der Aufschrift "Not my King" ("Nicht mein König") vom Eingang des Parlaments wegschickte.

Jodie Beck von der Organisation Liberty sagte der BBC zufolge, es sei sehr beunruhigend, dass die Polizei ihre Befugnisse in einer hart durchgreifenden und bestrafenden Art und Weise nutze. Die Londoner Metropolitan Police wies auf die enorme Herausforderung für die Polizei bei den royalen Massenereignissen hin, versicherte jedoch auch, die Öffentlichkeit habe ein Recht auf Protest.

Die Queen war am Donnerstag im Alter von 96 Jahren auf ihrem schottischen Landsitz Schloss Balmoral gestorben. Sie wurde zunächst von Balmoral nach Edinburgh überführt. Dort gab es am Montag eine Prozession, zu der auch der neue König angereist war.

Das Staatsbegräbnis, zu dem Hunderte Staats- und Regierungschefs, Angehörige von Königshäusern und andere Würdenträger in London erwartet werden, darunter US-Präsident Joe Biden und der Schweizer Bundespräsident Ignazio Cassis, soll am Montag (19.9.) sein.

Einem britischen Medienbericht zufolge erhielten zu dem Grossereignis Vertreter von Russland und Belarus, gegen die Grossbritannien wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zahlreiche Sanktionen erlassen hat, sowie das südostasiatische Myanmar keine Einladung. Die Nachrichtenagentur PA berichtete unter Berufung auf Regierungskreise ausserdem, dass der Iran, zu dem die diplomatischen Beziehungen belastet sind, lediglich auf Botschafterebene vertreten sein solle.

Mitten in der Nacht begann derweil in London eine Generalprobe für die Prozession des Sarges der Queen. Der Sarg soll am Mittwoch vom Buckingham-Palast zum Parlament gefahren werden, wo er für mehrere Tage in der Westminster Hall aufgebahrt werden soll. Noch vor Sonnenaufgang probten am Dienstag Tausende Soldaten in zeremonieller Uniform samt einer von sieben Pferden gezogenen Kutsche.

Anstelle des Sarges mit der am Donnerstag gestorbenen Königin wurde bei der Probe ein schwarzer Sarg auf der Kutsche platziert. Hinter der toten Queen sollen am Mittwoch der neue König Charles III. und andere Mitglieder der Royal Family herlaufen, die in der Nacht durch Statisten ersetzt wurden. Im Stadtzentrum Londons waren etliche Strassen für die Prozession gesperrt.

Entlang der Route haben - entgegen offiziellen Anweisungen - bereits einige hartgesottene Royalisten ihre Zelte aufgeschlagen, um sich eine gute Sicht auf das Geschehen zu sichern.

Charles (73) und Camilla (75) wollten Dienstag unter anderem eine Ausstellung in der britischen Provinz Nordirland besuchen und den britischen Nordirland-Minister Chris Heaton-Harris und Chefs der nordirischen Parteien treffen.

Der Tod von Elizabeth II. hat einem Medienbericht zufolge in den letzten Tagen die Zuschauerzahl der Netflix-Serie "The Crown" nach oben schnellen lassen. Wie das Branchenblatt "Variety" unter Berufung auf Zahlen des Analyse-Unternehmens Whip Media berichtete, stieg die Zahl in Grossbritannien am Wochenende deutlich. Von einer ähnlichen Entwicklung berichtete das Magazin in den USA und anderen Ländern.

Seit 2016 inszeniert Netflix in seiner preisgekrönten Serie das Leben der britischen Royals. Bislang spielten Claire Foy (38) und Oscar-Preisträgerin Olivia Colman (48) die Queen. In der ab November anstehenden fünften Staffel mit Imelda Staunton (66) als Queen geht es voraussichtlich um die frühen 90er-Jahre, in denen sich die Beziehung von Charles und Diana weiter verschlechterte. (sda/dpa)