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Grossbritannien

London: Ein «Jahrhundertereignis»

Bald geht es los, das grosse Goodbye für Queen Elizabeth: Schon Stunden vor Beginn des Staatsbegräbnisses wurden am Montagvormittag die Türen der Westminster Abbey in London für die Gäste geöffnet.
Polizeibeamte gehen vor der Staatsakt zur Beisetzung von Königin Elizabeth II. über die Prachtstraße The Mall. Foto: Vadim Ghirda/Pool AP/dpa
Bild: Keystone/Pool AP/Vadim Ghirda

Mitglieder der King's Guards, die für die Bewachung der königlichen Residenzen verantwortlich sind, marschierten durch die Tore. Zwei Soldaten stationierten sich am Zugang.

Der Gottesdienst soll um 12.00 Uhr (MESZ) beginnen. 2000 Gäste werden erwartet, darunter zahlreiche gekrönte Häupter und Staatschefs. Auf den Strassen Londons wurden Hunderttausende Menschen erwartet, die das Geschehen verfolgen wollen. Eine enorme Herausforderung auch für die Behörden: Polizei, Geheimdienste und Anti-Terror-Einheiten koordinieren dafür die wohl grösste Sicherheitsoperation, die die Stadt je erlebt hat. Derweil steht das Land still - fast überall blieben Schulen und Universitäten sowie Geschäfte und Pubs geschlossen.

Nach dem Gottesdienst zum Auftakt des Staatsbegräbnisses wird der Sarg nach Schloss Windsor gebracht. Dort findet dann am Montagabend die Beisetzung im Familienkreis statt.

Die Anreise dorthin verlief für viele Trauernde am Morgen allerdings nicht ganz reibungslos. In der Gegend von Windsor kam es zu Störungen im Zugverkehr. Verbindungen zwischen der Station Paddington und dem westlich von London gelegenen Slough waren wegen eines Oberleitungsschadens am Montagmorgen blockiert, wie eine dpa-Reporterin vor Ort berichtete. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA ist auch der Weg vom Flughafen in die Londoner Innenstadt betroffen.

In Vorbereitung auf den Leichenzug im Stadtzentrum war am frühen Morgen bereits die Westminster Hall mit dem Sarg der Monarchin für die Öffentlichkeit geschlossen worden. Noch in der Nacht und bis zum frühen Montagmorgen waren viele Menschen in das älteste Gebäude des britischen Parlaments geströmt, um der Queen die letzte Ehre zu erweisen.

Unmittelbar vor dem Ende der öffentlichen Aufbahrung hatte Chrissy Heerey als letzte Trauernde Abschied genommen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie sich Heerey am frühen Montagmorgen vor dem geschlossenen Sarg in der Westminster Hall verbeugte. "Ich war die letzte Person, die der Queen ihren Respekt erwiesen hat, und es hat sich wie ein echtes Privileg angefühlt, dies zu tun", sagte das Mitglied der britischen Luftwaffe.

Der Sarg, auf dem die Königskrone, Zepter und Reichsapfel ruhen, war seit Mittwoch in der Westminster Hall aufgebahrt. Viele Tausend Menschen hatten sich seither in die kilometerlange Schlange eingereiht und viele Stunden Wartezeit auf sich genommen, um ihren Respekt zu zollen.

Um 11.44 Uhr (MESZ) soll der Sarg in einer Prozession auf einer von 98 Marinesoldaten gezogenen Lafette - einem für Kanonen bestimmen Wagen - in die nahe Westminster Abbey gebracht werden. König Charles III., seine drei Geschwister, sowie seine Söhne Prinz William und Prinz Harry sollen erneut dem Sarg zu Fuss das letzte Geleit geben. Viele Schaulustige sicherten sich schon am Vortag mit Zelten, Schlafsäcken und Campingstühlen ausgerüstet einen Platz an der Prozessionsstrecke.

Für die, die nicht nach London oder Windsor anreisen konnten, wird die Trauerfeier in landesweit 125 Kinos und vielen Kirchen übertragen. Auch wurden an öffentlichen Orten Leinwände aufgebaut. Etwa in Nordirland soll das Event in Parks und öffentlichen Gebäuden gezeigt werden.

Der König zeigte sich in einer Mitteilung am Abend "zutiefst berührt" von den vielen Botschaften der Anteilnahme. Der 73-Jährige bedankte sich bei den "unzähligen Menschen, die solch eine Stütze und Trost für meine Familie und mich in dieser Zeit der Trauer waren". Die Queen war am 8. September im Alter von 96 Jahren gestorben.

In der Westminster Abbey werden nun unter anderem US-Präsident Joe Biden, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der japanische Kaiser Naruhito mit ihren jeweiligen Partnerinnen Abschied nehmen. Auch der schwedische König Carl Gustaf und Königin Silvia sowie der spanische König Felipe und Königin Letizia zollten bereits am Sarg ihren Respekt.

Die BBC zitierte einen ausländischen Diplomaten mit den Worten: "Das ist das Begräbnis des Jahrhunderts". Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "Jahrhundertereignis". "Man war es über 70 Jahre gewohnt, sich hinter dieser Königin zu versammeln, und jetzt spüren alle: Da fehlt etwas, und das fehlt eben nicht nur in Grossbritannien und in London, sondern es fehlt weltweit", sagte Steinmeier im ZDF-"heute journal". (sda/dpa)