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Tiere

Energiespartipp aus dem Tierreich

Kuscheln reduziert den Energieaufwand. Das gilt zumindest für Gartenschläfer. Wie Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien berichten, schmiegen sich die Nagetiere zur sozialen Thermoregulation im Winter aneinander.
Kuscheln reduziert den Energieaufwand. Das gilt zumindest für Gartenschläfer. Wie Forscher berichten, schmiegen sich die Nagetiere zur sozialen Thermoregulation im Winter aneinander. (Archivbild)
Bild: KEYSTONE/BIOSPHOTO/Frederic Desmette

Dadurch brauchen sie weniger Energie während der Aufwachphase aus dem Winterschlaf, wie es im Fachjournal "Physiological and Biochemical Zoology" hiess. Der Gartenschläfer (Eliomys quercinusEliomys quercinus), der kleinere Verwandte des Siebenschläfers, verbringt die kalte, nahrungsarme Jahreszeit im Winterschlaf.

Dabei senkt das Schweizer Tier des Jahres 2022 die Körpertemperatur und Stoffwechselrate ab - ein "Torpor" genannter Zustand des Erstarrens, der immer wieder durch Aufwachphasen unterbrochen wird. Zudem schmiegen sich die Tiere aneinander - die Wissenschafter bezeichnen dies als "Huddling".

Laura Magaly Charlanne und Sylvain Giroud vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni zeigten nun, dass "Huddling" den Energieverbrauch während des Wiedererwärmens - der Phase mit dem höchsten Energiebedarf während des Winterschlafs - deutlich reduziert. "Kuschelten die Tiere während der Erwärmungsphase, reduzierte das Wärmebedarf und Gewichtsverlust gegenüber Tieren, die allein erwachten, um zwei Drittel", so die Forscherin.

Über den gesamten Winterschlaf betrachtet, reduzierte "Huddling" den Gewichtsverlust von Jungtieren allerdings nicht. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Tiere in einem zufallsähnlichen Verhalten beim Aufwärmen abwechseln, was die energetischen Vorteile des engen Körperkontakts ausgleichen könnte. Ausserdem trat jenes Tier mit der höchsten Körpertemperatur während des Aufwärmens später in die Erstarrung ein, als die anderen in der Gruppe.

Ohne individuellen Nutzen

Die Wissenschaftler schliessen daraus, dass sich die stark gefährdeten Nagetiere die Vorteile und Nachteile von "Kuscheln" und Aufwärmen auf kollektiver Ebene teilen, ohne daraus einen individuellen energetischen Nutzen zu ziehen. "Wir gehen davon aus, dass die Dynamik der sozialen Thermoregulation während des Winterschlafs die individuellen Vorteile aufgrund des reduzierten Energieaufwands im Zusammenhang mit dem energieintensiven Prozess der Wiedererwärmung aus der Erstarrung ausgleicht", so Giroud.

Der Gartenschläfer wurde von Pro Natura Schweiz zum "Tier des Jahres 2022" erkoren. Das Nagetier ist in der Schweiz selten geworden, ihm fehlt die Wildnis. In den Kantonen Solothurn, Bern, Wallis und Schwyz wurden einzelne Exemplare nachgewiesen. (sda/apa)