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Nordkorea

Nordkorea: Fortschritte bei Verteidigung?

Nordkorea sieht in einem nach eigenen Angaben erfolgreichen Test einer neuen Interkontinentalrakete Fortschritte beim Ausbau seiner nuklearen Schlagkraft zur Abschreckung der USA. Die Streitkräfte hätten mit der Rakete "neuen Typs" ein weiteres Mittel zur Hand, um "jede atomare Bedrohung abzuschrecken", zitierten staatliche Medien des weithin isolierten Landes am Samstag Machthaber Kim Jong Un. Die USA demonstrierten als Reaktion auf den Raketenstart den zweiten Tag in Folge militärische Stärke und schickten für eine Luftübung mit Südkorea Langstreckenbomber zur koreanischen Halbinsel.
Bild: Keystone/KCNA/-

Kim Jong Un hatte den Test beaufsichtigt und sich zum Raketenstart überraschend mit seiner jugendlichen Tochter und Frau Ri Sol Ju gezeigt. Staatsmedien veröffentlichten erstmals Fotos der Tochter. Dass Kim mit ihr auftrat, bewerteten Beobachter als gezielte Geste, um Selbstbewusstsein zu demonstrieren.

Den USA warfen Kim erneut vor, auf Konfrontationskurs zu sein und Südkorea atomar zu bedrohen - ein Vorwurf, den Washington zurückweist. Kim drohte, "auf Atomwaffen mit Atomwaffen und auf totale Konfrontation mit uneingeschränkter Konfrontation" zu antworten. Jede militärische Gegenaktion der USA und ihren Verbündeten einschliesslich Südkoreas werde zur Selbstzerstörung führen, drohte er.

Nach Angaben Südkoreas feuerte Nordkorea am Freitag zum zweiten Mal in diesem Monat eine Rakete ab, die theoretisch auch US-Territorium erreichen könnte. Nordkorea identifizierte die Rakete als "Hwasongpho-17" und brüstete sich damit, mit ihr jetzt über die "weltweit stärkste strategische Waffe" zu verfügen. Sie sei nach einem Flug in einer Höhe von bis zu 6040,9 Kilometern und einer Distanz von knapp 1000 Kilometern in einem vorher angepeilten Gebiet im Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer) ins Wasser gestürzt.

Die EU, die USA und ihre Verbündeten Südkorea und Japan verurteilten den Raketentest. UN-Resolutionen verbieten Pjöngjang die Erprobung von Interkontinentalraketen (ICBM) und anderer ballistischer Raketen, die je nach Bauart mit einem Nuklearsprengkopf bestückt werden können. Nordkorea hat seit Beginn des Jahres das Tempo und den Umfang seiner Tests ballistischer Raketen deutlich erhöht.

In einer am Samstag veröffentlichten EU-Erklärung hiess es, die fortgesetzten Bemühungen Pjöngjangs, immer bedrohlichere Trägersysteme für Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, gefährdeten alle Länder. Der neue Raketentest sei rechtswidrig und rücksichtslos.

Die US-Regierung stufte den Test hingegen als zutiefst beunruhigend, aber nicht als Gefahr für die Vereinigten Staaten ein. Mit jedem Raketenstart lerne Nordkorea dazu - und das sei besorgniserregend, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, am Freitag (Ortszeit) in Washington. Nordkoreas Raketenprogramm wachse weiter, was nicht nur die koreanische Halbinsel, sondern die gesamte Region destabilisiere.

Kampfjets der USA und Südkoreas eskortierten bei einer erneuten Luftübung am Samstag nach Angaben des südkoreanischen Militärs amerikanische B-1B-Langstreckenbomber. Fotos des Militärs zeigten zwei dieser Überschallbomber, die in ihrer jetzigen Ausstattung nur für konventionelle Waffen ausgelegt sind, im Flug. (sda/dpa)