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Roger Federer

Nach Rücktritt: Und plötzlich steckt Roger Federer mitten im AHV-Abstimmungskampf

Roger Federer meidet konsequent politische Statements. Doch jetzt fliegen auf Twitter die Fetzen – weil der Gewerkschaftsbund nach dem Rücktritt des Tennishelden eine Verbindung zur AHV-Abstimmung gemacht hat.

Roger Federer hat mit der Verkündigung seines Karriereendes weltweit für Schlagzeilen und Lobeshymnen gesorgt. Ein helvetischer Politiker würde das nie schaffen. Apropos Politik. Dazu hat King Roger stets eisern geschwiegen. Trotzdem ist jetzt der 41-Jährige kurz nach seinem Rücktritt zum Hauptdarsteller eine Politposse auf Twitter avanciert. Es kam so: Urban Hodel, Co-Leiter Kommunikation beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund, teilte der Welt am Donnerstag mit: «Multimillionär lässt sich mit 41 frühpensionieren. Zweimal Nein zum AHV-Abbau!»

Hodel ergänzte später, sein Tweet sei als Witz gedacht gewesen. Was er auch gegenüber CH Media bestätigte.

Am Sonntag in einer Woche stimmt die Schweiz über die Angleichung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre ab. Es herrscht Abstimmungskampf, die Anspannung ist gross. Und da kommt Hodels Twittereinschub offenbar nicht überall als Scherz an.

Der einstige SRF-Journalist und heutige Sprecher des Arbeitgeberverbandes, Andy Müller, findet, der Gewerkschaftsbund habe mit dem falschen Rentenalter deutlich die Grenzen des politischen Anstands überschritten. Er spielt damit auf das Abstimmungsplakat mit der Aufschrift «Bald bis 67 arbeiten?» an. «Aber jetzt auch noch gegen den grössten Schweizer Sportler auszuteilen, erreicht eine neue Dimension.»

Müller traut der Erklärung, das Ganze sei bloss ein Scherz, nicht ganz. Nach der irreführenden Kampagne hält er es für möglich, dass der Gewerkschaftsbund auch mit Federer auf Stimmenfang geht.

Auch Sandro Brotz interpretiert Hodels Tweet nicht unbedingt als Bewerbungsschreiben für einen Aufritt beim Humorfestival in Arosa. Der «Arena»-Moderator hält vielmehr fest: «Im Schlussspurt zur AHV-Reform legen beide Seiten noch eine Schippe drauf.» Die Partei Die Mitte bot nämlich «Mathe-Nachhilfe für Linke» an.

In der allgemeinen Aufregung um Tennisstar hält immerhin Fabian Renz, Bundeshauschef der Tamedia-Zeitungen, dagegen («Pointe», «schäumende Reaktionen»).

Ob Roger Federer Wind davon bekommen hat, dass mit ihm im Tiebreak des fünften Satzes zur AHV-Abstimmung gepunktet werden soll, ist nicht überliefert. Bekannt ist dafür, dass Federer einst seine Anwälte einschaltete, damit er nicht wider Willen zum Politpropagandisten mutiert.

Was war passiert? Im Juli 2013 verkleideten sich fünf Gsoa-Mitglieder als Roger Federer, tauchten beim Tennisturnier in Gstaad auf und verteilten Kleber, mit denen sie für die Initiative zur Abschaffung der Wehrpflicht warben. Illustriert war der Kleber mit einem Bild Federers. Der Hintergrund: Roger Federer leistete nie Dienst in der Schweizer Armee. Militärärzte erklärten ihn für untauglich. Für die Gsoa war Federer der Beweis, dass die «Wehrgerechtigkeit» nicht mehr existiere. Federers Rechtsvertreter forderten darauf die Armeegegner auf, «künftig jegliche unautorisierte Nutzung von Bildern oder des Namens unseres Klienten für Werbe- oder politische Zwecke zu unterlassen». Sie verwiesen auf die Persönlichkeitsrechte. Die Gsoa lenkte schliesslich ein.