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Kommentar

Medienbashing gegen SRF: Angestrengte Gegensteuer von links

SP-Co-Präsident Cédric Wermuth greift gegen das SRF in die Tasten, weil er sich benachteiligt sieht. Das ist zwar nicht überraschend, nervt aber trotzdem.
Findet das SRF unausgewogen: Cédric Wermuth, Co-Parteipräsident der SP.
Bild: Bild: Marcel Bieri/Keystone

Es ist mittlerweile ein Ritual. Kaum hat «Arena»-Moderator Sandro Brotz die Gäste der nächsten Sendung angekündigt, folgt der Vorwurf der Unausgewogenheit. Ständig fühlt sich eine Seite unterrepräsentiert in einem Format, das die Redezeit aller Kandidierenden mit der Stoppuhr misst und das Diskussionspersonal anhand der Parteigrösse zusammenstellt – zumindest über einen längeren Zeitraum betrachtet.

In den vergangenen Wochen ist es vor allem die SP, konkret Co-Präsident Cédric Wermuth, der sich vom SRF benachteiligt sieht. Seit Tagen schimpft er auf sozialen Medien über zu kurze Berichterstattung über die eingereichte Kita-Initiative, ungerechte Darstellung des SRG-Sorgenbarometers und SVP-Framing in der «Arena».

Sekundiert wird er von der «Wochenzeitung», die ein zunehmendes «rechtes Framing» beim Schweizer Fernsehen ortet, das unter dem Druck der SVP einer rechten «Agenda» hinterher hechle. Das ist, mit Verlaub, Blödsinn. Gerade im Vergleich mit ZDF und ARD in Deutschland oder dem ORF in Österreich frönt das SRF zuweilen richtiggehend einem Ausgewogenheitsfetisch. Pointierte Kommentare etwa finden sich höchstens in der Auslandsberichterstattung und nicht im Inland, wo sich die Redaktion stark um einen analytischen Blick bemüht.

Klar, gibt es auch bei SRF Formate, die in Form und Inhalt auf die Quoten schielen. Manche Sendungen folgen dabei eher krawalligen Debatten, die von rechts forciert werden, manche Recherchen oder Dokumentationen passen besser zu einer linke Teilhabe.

Dass sich die Kritik von links gerade jetzt entzündet, ist aber weniger dem Fernseh-Programm denn dem politischen Kalender geschuldet. Vor rund zwei Wochen erreichte die SVP die nötige Unterschriftenzahl für die Halbierungsinitiative. Diese will, dass private Haushalte nur noch 200 Franken für den Service public von Radio und Fernsehen bezahlen müssen.

Die Parallelen zu ihrem Vorläufer, der No-Billag-Initiative, sind offensichtlich. Damals, im Frühling 2016, verschickte die SP wenige Wochen nach der Einreichung einen offenen Brief an die «Arena»-Redaktion und SRF-Chefredaktor Tristan Brenn. Darin stand: «Seit Monaten werden in der ‹Arena› fast ausschliesslich Themen diskutiert, die auf der rechten Agenda zuvorderst stehen.»

Nun kann man daraus die These stricken, das SRF reagiere auf Angriffe der SVP, flankiert von rechtsbürgerlichen Medien, stets mit einer Politik der Annäherung nach rechts. Viel wahrscheinlicher ist ein anderer Mechano: Kommt die SRG unter Druck von rechts, versuchen die Linken möglichst Gegensteuer zu geben. Nach der krachenden Niederlage der No-Billag-Initiative schien sich die Lage zu beruhigen. Spätestens mit Corona, False-Balance-Vorwürfen und beleidigten «Arena»-Boykotts von SVP und Grünen flammte die Debatte wieder auf. In diese Spirale ist auch die aktuell linke Empörung einzuordnen.

Zudem nähert sich die Politik mit grossen Schritten dem Wahlherbst. Neigt sich eine Legislatur ihrem Ende, ist es wie im Fussball: Mehr denn je wird der Schiedsrichter zur eigentlichen Reizfigur des Geschehens.

Alles in allem wirkt das nicht nur weinerlich, sondern es verleiht der grassierenden Medienskepsis auch im linken Lager Schub. Mit einem eigenen Online-Magazin, Presseratsbeschwerden gegen die Pendlerzeitung «20 Minuten» und eine Nationalrätin, die allwöchentlich die gesamte Branche abqualifizieren darf (in einer Zeitungskolumne notabene), leistet die SP diesbezüglich ohnehin schon ganze Arbeit.

Im Prinzip lässt sich also festhalten, dass die SVP mit medialer Unterstützung von rechts das SRF als zu links kritisiert, die SP mit medialer Unterstützung von links als zu rechts und die Mitte die Abteilungen der SRG ganz grundsätzlich für «Saftläden» (Gerhard Pfister) hält.

Klingt eigentlich ausgewogener, als es jede Stoppuhr messen könnte.