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Deutschland

Ist die deutsche Polizei mit Greta Thunberg im Bunde? Die Debatte um Lützerath nimmt eine weitere bizarre Wendung 

Die Klimaaktivistin wurde in Deutschland in Gewahrsam genommen; in einem Video scheint sie sich allerdings gut mit den Beamten zu verstehen. Vorwürfe, die Polizisten hätten unverhältnismässig Gewalt angewendet, erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt übertrieben. 
Die Klimaaktivistin Greta Thunberg am Samstag mit Mitstreitern in Lützerath. Im Hintergrund sichtbar (mit Helm) zwei Polizisten. 
Bild: Karsten Wickern / Keystone

Der Kampf gegen den Klimawandel ist nicht zuletzt auch eine PR-Schlacht. Aktivistinnen wie die Deutsche Luisa Neubauer oder die Schwedin Greta Thunberg wissen, welche Töne sie anschlagen und welche Bilder sie schaffen müssen, damit die Kameras bei ihnen bleiben.

Seit Thunberg an den Protesten gegen die Räumung des deutschen Örtchens Lützerath teilnimmt, das dem Braunkohleabbau weichen soll, hat sie die Aufmerksamkeit der anwesenden Medien. Die Generation Instagram weiss offenkundig, was sie tut.

Nun werfen zwei Videos Fragen auf: Das eine zeigt Greta Thunberg, wie sie gegen ihren Willen von Polizisten weggetragen wird. Später tauchte ein Filmchen im Netz auf, in dem die 20-jährige Aktivistin in aufgeräumter Laune zu sein scheint und mit Polizeibeamten schäkert. Die Polizisten scheinen geradezu mit ihr zu posieren.

Ein Vorwurf, mit dem die Polizei kaum gerechnet haben dürfte

In den sozialen Medien, wo die Empörung schnell hochkocht, zumal wenn der Name Thunberg im Spiel ist, war sofort von einer Inszenierung die Rede. Die Aktivistin äusserte sich bisher nicht dazu; die Polizei, die an einer Inszenierung ja beteiligt sein müsste, wies die Vorwürfe zurück.

Die Vorhaltung, mit Thunberg im Bunde zu sein und sich von dieser bei einem PR-Stunt einspannen zu lassen, dürfte zum Letzten gehört haben, womit die Beamten rechneten. Bisher mussten sie sich eher damit auseinandersetzen, dass die Aktivisten ihnen einen übertriebenen Einsatz von Gewalt vorwarfen. Auch Thunberg hatte sich letztes Wochenende, als die Proteste ihren Höhepunkt erreichten, entsprechend geäussert.

Ob die Polizisten angemessen vorgingen oder mit dem Schlagstock allzu schnell bei der Hand waren, ist seither eine der Fragen, die in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert werden. Gewalt anzuwenden gehört zum Auftrag der Polizei, allerdings muss diese verhältnismässig sein.

Schwerverletzte gab es offenbar keine

In Lützerath hatten einige Demonstranten eine Polizeikette durchbrochen und sich in Richtung des abgesperrten Ortes begeben. Die Beamten hatten den Auftrag, das Gelände vor Eindringlingen zu schützen. In einer solchen Situation sei etwa der Einsatz von Schlagstöcken rechtmässig, sagte Marina Hackenbroich, die stellvertretende Chefin des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Nicht verhältnismässig seien gezielte Schläge auf den Kopf. Solche gab es bei den Lützerath-Protesten so weit bekannt allerdings nicht.

Luisa Neubauer soll am Wochenende von Polizisten geschubst worden sein; von «unfassbarer Polizeigewalt» sprach daraufhin Timon Dzienus, einer der beiden Chefs der Grünen Jugend. Der Westdeutsche Rundfunk, der sich in den Spitälern der Region auf die Suche nach schwerverletzten Demonstranten begab, wurde allerdings nicht fündig; das Bündnis «Lützerath lebt» hat entsprechende Aussagen inzwischen revidiert.