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Energie

Gegen Stromlücke: Bund beschafft 400 GWh Wasserkraftreserve für Winter

Nun ist klar, wer im Winter in Schweizer Stauseen Wasser zurückhalten soll. Die Elcom hat nach einer Auktion die Zuschläge vergeben. Die Wasserkraftreserve soll helfen, die kritische Phase gegen Ende Winter zu überbrücken.

Nun ist klar, welche Schweizer Energieversorger in ihren Speicherseen gegen eine Entschädigung Wasser zurückhalten sollen. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Die Wasserkraftreserve ist ein wesentlicher Eckpfeiler der bundesrätlichen Strategie, um der drohenden Strommangellage zu begegnen. Sie soll helfen, die Versorgungssicherheit der Schweiz zu stärken und Stromengpässe im Winter möglichst zu vermeiden.

Nun hat der Plan eine weitere Hürde genommen: Die von der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid durchgeführte Auktion für die Reserve ist abgeschlossen. Die Elektrizitätskommission (Elcom) hat Geboten im Umfang von 400 Gigawattstunden (GWh) den Zuschlag erteilt, wie sie am Dienstag mitteilte. Gemäss Swissgrid beläuft sich der Durchschnittspreis auf 739,97 Euro pro Megawattstunde. Insgesamt wurden 149 Gebote mit total 672 GWh von 14 Speicherkraftwerksbetreibern eingereicht.

Welche Unternehmen zum Handkuss kamen, gaben weder Elcom noch Swissgrid bekannt. Die ausgewählten Energieversorger können nun gegen Entgelt Wasser in ihren Speicherseen zurückhalten. Die Gesamtkosten der Reservevorhaltung belaufen sich laut Elcom auf 296 Millionen Euro. Die Reserve soll ab Anfang Dezember bis am 15. Mai 2023 zur Verfügung stehen.

Beschränkung aufgrund einer Kosten-Nutzen-Überlegung

Die beschaffte Menge liegt damit im Rahmen der vorab bestimmten Eckwerte der Ausschreibung. Diese hatte die Elektrizitätskommission (Elcom) bereits Mitte August festgelegt – im Auftrag des Bundesrates. Vorgesehen war, dass die Kraftwerke rund 500 Gigawattstunden (GWh) zurückhalten, plus/minus 166 GWh. Diese Reserve sollte gemäss Elcom-Präsident Werner Luginbühl für rund 3,5 Wochen reichen – auch wenn die Schweiz keinen Strom aus dem Ausland mehr importieren kann.

Die Beschränkung auf 400 GWh erfolgte laut Elcom auf Basis einer «Kosten-Nutzen-Überlegung». Denn Analysen hätten gezeigt, dass sich die Gesamtkosten von 296 Millionen Euro durch die Preiserwartungen am Strommarkt erklären lassen. Bei einer höheren Reservemenge wären die Gesamtkosten und damit die finanzielle Belastung der Stromverbraucher aufgrund der Gebotsstruktur hingegen «überproportional stark» angestiegen, heisst es weiter.

Die 296 Millionen Euro werden von allen Schweizer Stromkonsumenten gemäss ihrem Verbrauch getragen. Sie werden über einen Zuschlag auf den Netztarif weitergegeben. Der Bund schätzte die Kosten im Voraus grob auf 650 bis 750 Millionen Franken. Umgelegt auf den Schweizer Stromverbrauch hätten sich die Stromkosten dadurch um rund 1,2 Rappen pro Kilowattstunde erhöht.

Stromfirmen halten gegen Entgelt Wasser zurück

Die Idee der Wasserkraftreserve ist simpel: Die Energieversorger halten in ihren Speicherseen gegen eine Entschädigung des Bundes eine bestimmte Menge Wasser zurück. Die Reserve fungiert dabei als eine Art Versicherung, die ausserhalb des Marktes bereitsteht. Genutzt werden darf sie nur, um kritische Engpässe zu überbrücken, die der Markt selbst nicht bewältigen kann. Dabei soll es vor allem um die Phase gegen Ende Winter gehen, wie es bei der Präsentation im September hiess.

Die Wasserkraftreserve, die der Bundesrat bereits auf Anfang Oktober in Kraft gesetzt hat, soll die Reservekraftwerke ergänzen, die mit Gas, Öl oder Wasserstoff betrieben werden können. So hat der Bund Anfang September mit der Firma GE Gas Power einen Vertrag unterzeichnet. Auf dem Firmengelände der GE im aargauischen Birr werden acht mobile Gasturbinen installiert, die einen Viertel der Leistung des Atomkraftwerks Leibstadt liefern. Kostenpunkt: 470 Millionen Franken. (abi/rwa)