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Regulierung

Bergkantone wollen mehr Geld für Herdenschutz und fordern Begrenzung von Wolfsrudeln

Die Gebirgskantone fordern vom Bund mehr finanzielle Unterstützung für den Herdenschutz. Zudem sprechen sie sich für präventive Abschüsse von Wölfen aus. Nächste Woche beugt sich der Ständerat über die Vorlage für ein neues Jagdgesetz. Der bisherige Entwurf geht den Umweltverbänden aber zu weit. 

In diesem Sommer häuften sich die Meldungen über Wolfsangriffe. Im laufenden Jahr sollen in den Bergkantonen etwa 1000 Schafe und Rinder gerissen worden sein. Die Bergregionen fühlen sich dabei im Stich gelassen. Sie pochen bereits seit längerem darauf, dass der Bund entschiedener bei der Regulation des Wolfes eingreift. Nun fordert die Regierungskonferenz der Gebirgskantone vom Bund eine Reihe von Massnahmen. Diese fussen auf zwei wissenschaftliche Studien, die sie in Auftrag gegeben haben.

Konkret fordern die Gebirgskantone eine «deutlich stärkere finanzielle Unterstützung durch den Bund», wie sie am Dienstag mitteilen. Der personelle und finanzielle Aufwand für die Herdenschutzkonzepte sei für die Kantone eine Herausforderung. «Die Gebirgskantone können diesen Aufwand nicht allein tragen», heisst es. Zudem sollen die Schutzkonzepte stärker auf die einzelnen Alpbetriebe Rücksicht nehmen. Einheitliche Konzepte seien dagegen «nicht zweckmässig».

Maximal 17 Wolfsrudel in der Schweiz

Im weiteren sprechen sich die Bergkantone dafür aus, dass der Wolf «aktiv reguliert» werden soll, ähnlich wie die Steinwildpopulation. Das heisst: Schaden stiftende Wölfe sollen künftig rascher zum Abschuss frei gegeben werden können. Die Bergkantone fordern auch, dass der Bund Abschusspläne pro Kanton erlässt, um «Konflikte mit dem Menschen und dessen Nutztieren zu reduzieren».

Dabei sollen die Wolfsbestände hierzulande so gross sein, dass sie das Überleben des Wolfes gewährleisten und «für die betroffene Bevölkerung akzeptabel» seien. Als Richtgrösse nennen die Kantone 17 Wolfsrudel. Derzeit befinden sich laut der Stiftung für Raubtierökologie und Wildtiermanagement Kora 19 Wolfsrudel und 180 Tiere in der Schweiz.

Mit diesen Forderungen stellen sich die Gebirgskantone auf eine Linie mit der ständerätlichen Umweltkommission (Urek-S). Diese hat im Juni einen Entwurf für eine neue Revision des Jagdgesetzes ausgearbeitet und sich dafür ausgesprochen, dass Wölfe «proaktiv» abgeschossen werden können, bevor sie Schäden anrichten. Auf Anfrage von CH Media bestätigt der Generalsekretär der Regierungskonferenz: «Unsere Konferenz unterstützt die Vorlage gemäss Urek-S».

Für hitzige Debatte ist vorgesorgt

Auch der Bundesrat befürwortet präventive Abschüsse. Dies obwohl das Parlament damit am Volksentscheid vom September 2020 rüttelt, als die Revision des Jagdgesetzes abgelehnt wurde. Eine Mehrheit der Stimmbevölkerung sprach sich damals gegen einen präventiven Abschuss von Wölfen aus.

Derweil üben die Umweltverbände Kritik am Gesetzesentwurf. Die Gruppe Wolf Schweiz bemängelt in einer Stellungnahme vom Dienstag, dass sich die aktuelle Vorlage für ein neues Jagdgesetz «nur auf den Abschuss fokussiert». Dies sei «stossend und unverständlich». Stattdessen befürwortet die Gruppe zusammen mit dem WWF, Pro Natura und Birdlife einen zuvor von Landwirtschafts- und Umweltverbänden ausgearbeiteten Kompromiss.

Diesem hatte die zuständige Kommission im Nationalrat im Januar noch ohne Gegenstimme bei zwei Enthaltungen zugestimmt. Nächste Woche debattiert nun der Ständerat über den Gesetzesentwurf. Für reichlich Zündstoff ist zumindest vorgesorgt.