Trotz steigender Elektrifizierung: Auch neue Autos verfehlen CO2-Ziele deutlich

SCHWEIZ (NACHRICHTEN) ⋅ Der durchschnittliche CO2-Ausstoss von neu zugelassenen Autos in der Schweiz ist deutlich zu hoch. Dennoch sind die CO2-Sanktionen wegen Einführungserleichterungen beim Import massiv gesunken.

23. Juni 2022, 12:11

Ann-Kathrin Amstutz

Wer in der Schweiz ein neues Auto kauft, wählt immer öfter eine elektrische Variante. Wie das Bundesamt für Energie (BFE) am Donnerstag mitteilte, waren letztes Jahr bereits 22,5 Prozent der Neuwagen E-Autos (batterieelektrische Autos und Plug-in-Hybride). Das sind 8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Demgegenüber sank der Anteil an neuen Dieselautos auf 17,4 Prozent (-6,5 Prozentpunkte).

Auch bei den neuen Lieferwagen und leichten Sattelschleppern steigt der Anteil an elektrischen Fahrzeugen – jedoch auf tiefem Niveau. 2021 waren 5,5 Prozent elektrisch betrieben (plus 2,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Mit 85,8 Prozent machen hier die dieselbetriebenen Fahrzeuge noch immer den Löwenanteil aus.

Auch Neuwagen überschreiten CO2-Grenzwerte deutlich

Trotz steigender Elektrifizierung: Die CO2-Emissionen der Neuwagen lagen 2021 deutlich über dem Zielwert – sowohl bei den Autos als auch bei den Lieferwagen und leichten Sattelschleppern. Ein Auto verursachte im Durchschnitt Emissionen von rund 130 g CO2 pro Kilometer – das sind etwa 10 Prozentpunkte mehr als der Zielwert. Bei den Lieferwagen und leichten Sattelschleppern lag der Ausstoss bei durchschnittlich 217 g CO2 pro Kilometer, also 16 Prozentpunkte über dem Zielwert.

2021 wurden in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein rund 243'000 Autos sowie rund 28'000 Lieferwagen und leichte Sattelschlepper importiert, zugelassen und auf ihre CO2-Zielerreichung geprüft. Jene, welche die CO2-Vorschriften verfehlen, werden beim Import sanktioniert. Die im vergangenen Jahr erhobenen Sanktionen belaufen sich auf insgesamt rund 37,5 Millionen Franken. Das ist viel weniger als im Vorjahr, als die Sanktionen noch rund 148 Millionen Franken betrugen.

Massiv tiefere Sanktionen für Autoimporteure – das sind die Gründe

Das Bundesamt für Energie erklärt dies folgendermassen: Für die Berechnung der Sanktionen sei 2021 nur die 90 Prozent der Fahrzeuge mit den tiefsten Emissionen berücksichtigt worden. Zudem wurden Fahrzeuge mit tiefen Emissionen (weniger als 50 g CO2 pro Kilometer) mit einem Faktor 1,66 mehrfach angerechnet. Diese Einführungserleichterungen, welche noch bis Ende 2022 gelten, reduzierten die Sanktionen der Importeure laut Bundesamt für Energie «erheblich».

Die Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure feiert den Rückgang der Sanktionen dennoch als «Erfolg der Branche». Man sei bezüglich der Absenkung von CO2-Emissionen auf dem richtigen Weg, schreibt Auto-Schweiz in einer Mitteilung.


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