Stabile Prämien und die offene Rechnung der Krise

SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Die Krankenkassenprämien sinken erstmals seit dreizehn Jahren wieder. Doch die Rechnung der Pandemie ist damit noch nicht beglichen.

28. September 2021, 20:11

Anna Wanner

Nach bald 20 Monaten Coronakrise erreicht uns endlich wieder eine gute Nachricht. Die Krankenkassenprämien sinken im schweizweiten Schnitt um 0,2 Prozentpunkte. Das ist eine Verschnaufpause für die Haushalte, die unter der Prämienlast ächzen. Besser noch ist die mittelfristige Perspektive: Die Prämien haben sich in den letzten drei Jahren stabilisiert. Und dank des üppigen Reservenbergs können die Versicherer auch massive Schocks wie eine Pandemie abfedern. Das stimmt zuversichtlich.

Doch die Rechnung der Versicherer hinkt den Realitäten hinterher: Erstens ist die Krise leider noch nicht ausgestanden. Ein Ende liegt fern. Zweitens sitzen die Spitäler auf einem Schuldenberg von mehreren hundert Millionen Franken. Es ist bis heute nicht geklärt, wer die Ausfälle zahlen soll, die durch aufgeschobene Operationen und Zusatzleistungen wegen Corona entstanden sind. Drittens müssen wir uns auf die Langzeitfolgen gefasst machen, welche die Pandemie mit sich bringt. Wir wissen noch wenig über Long Covid und Chancen auf Heilung. Wir wissen auch noch wenig über die vielschichtigen seelischen Leiden, welche die Krise hervorgebracht hat.

Ja, als Versicherte, die 2022 maximal ein paar Franken mehr Prämien zahlen, überstehen wir die Krise relativ glimpflich. Das ist wichtig. Spätestens diese Pandemie hat uns aber in Erinnerung gerufen, dass es noch Wichtigeres gibt: Unsere Gesundheit.


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