Organspenderin wider Willen: Sicherheitslücke bei Organspende-Register entdeckt

SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Im Online-Register von Swisstransplant könne jede Person ohne ausreichende Kontrolle als Organspenderin registriert werden. Der Datenschutzbeauftragte hat ein Verfahren eröffnet.

19. Januar 2022, 07:17

Beim Nationalen Organspenderegister Swisstransplant gebe es den Verdacht auf «Sicherheitsmängel und Datenschutzprobleme», darum hat der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte (Edöb) ein Verfahren gegen die Plattform eröffnet. Aufmerksam gemacht wurde der Edöb durch einen Bericht von SRF.

Der zentrale Vorwurf lautet, dass beim Registrationsprozess für das Onlineregister eine ungenügende Überprüfung stattfindet. Es sei möglich «jede Person ohne ihr Wissen zur Organspenderin zu machen», schreibt SRF. Für den Edöb stellen sich «grundlegende Fragen zur Geeignetheit elektronischer Identifikationsverfahren in heiklen Bereichen wie jenem eines Registers über den persönlichen Entscheid für oder gegen eine Organentnahme».

Ein weiterer Vorwurf der Sicherheitsfirma, auf dessen Recherchen sich der Bericht stützt, lautet, dass es möglich sei, «alle Dateien auf dem Anwendungs-Server auszulesen und runterzuladen.» Nachdem Swisstransplant mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, sei die Plattform «vorübergehend offline geschaltet» worden, wie es dort auf der Internetseite heisst.

Nach «einer eingehenden Prüfung» habe die Stiftung entschieden, das Register wieder aufzuschalten. Es hätten keine Sicherheitslücken im System identifiziert werden können. Auch seien die bestehenden Registereinträge «absolut sicher», so Swisstransplant.

Müssen alle Einträge überprüft werden?

Rund 130’000 spendewillige Personen sind derzeit im Organspende-Register eingetragen. Ob diese nun alle überprüft werden müssten, wollte Edöb Adrian Lobsiger im Bericht von SRF nicht sagen. «Sollten Sie Zweifel haben am Register, können Sie Ihren Eintrag löschen. Es besteht alternativ die Möglichkeit, den Entscheid zur Organspende auf einer Organspende-Karte festzuhalten», schreibt dazu Swisstransplant. Im Online-Register kann festgehalten werden, dass die Organe im Todesfall entnommen und verwendet werden können – es ist aber auch möglich, dass man festhält, dass die Entnahme eben nicht erlaubt ist. (mg)


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