Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich wegen Corona weiter

SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Obwohl alle Schichten die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise spüren, nimmt die Ungleichheit in der Schweiz weiter zu. Vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen leiden.

23. Februar 2021, 10:24

(abi) Die Coronakrise belastet die Schweizer Haushalte unterschiedlich stark. Bestehende Ungleichheiten werden zusätzlich verschärft. So melden Personen mit einem Haushaltseinkommen von unter 4000 Franken seit Beginn der Pandemie durchschnittlich einen sehr starken Einkommensrückgang von 20 Prozent, wie die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) am Dienstag mitteilte. Demgegenüber sanken die Einkommen von Personen aus Haushalten mit einem Monatseinkommen von über 16'000 Franken um 8 Prozent.

Umgekehrt verhält es sich bei den Ausgaben, wie die aktuelle KOF-Studie weiter zeigt. Haushalte mit einem hohen bis sehr hohen Einkommen haben ihre Ausgaben um rund 16 Prozent stärker reduziert als die einkommensschwachen Haushalte mit 12 Prozent. Der Grund: Reichere Haushalte hatten weniger Bedürfnisse und weniger Möglichkeiten, um Geld auszugeben. Zwar seien diese Motive auch bei einkommensschwachen Haushalten wichtig, allerdings mussten sie ihre Ausgaben teilweise auch senken, weil sie weniger Geld zur Verfügung hatten.

Mit Ersparnissen laufende Ausgaben decken

Die Schere zeigt sich auch bei den Ersparnissen: Bei Haushalten mit tiefem Einkommen nahmen sie ab, bei der Hälfte der Haushalte mit den höchsten Einkommen stiegen sie. Zudem gaben rund 39 Prozent der Personen mit einem monatlichen Haushaltseinkommen von weniger als 4000 Franken an, dass sie auf ihre Ersparnisse zurückgreifen mussten, um laufende Ausgaben decken zu können.

Auch die subjektive Gemütsverfassung unterscheidet sich je nach Einkommen: Bei Personen mit tiefem Einkommen hat sie sich gemäss Studie trotz zwischenzeitlichen Lockerungen stetig verschlechtert. Wenig überraschend schlägt vor allem die Arbeitslosigkeit aufs Gemüt. Personen aus einkommensstarken Haushalten ging es demgegenüber in den Sommermonaten wieder etwas besser.

Abgenommen hat auch das Vertrauen in die Politik. So gaben zu Beginn der Krise knapp 20 Prozent der Befragten an, dass sie nur geringes oder sehr geringes Vertrauen in den Bundesrat hätten. Im Oktober 2020 und Januar 2021 waren es bereits 40 Prozent.

Die Studie beruht auf den Befragungen des Sotomo/SRF-Bevölkerungsmonitorings zur Situation der Schweizer Haushalte in der Coronapandemie. Seit März 2020 wurden in sechs Erhebungen über 200'000 Personen befragt.


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