Chefarzt nach Tod von Kleinkind: «Infektion mit dem Coronavirus war nicht Hauptursache für den tragischen Verlauf»

SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Am Ostschweizer Kinderspital in St.Gallen ist ein Kleinkind gestorben, das positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Das Virus ist aber nicht die Haupttodesursache, wie das Ostschweizer Kinderspital mitteilt.

12. Januar 2021, 13:53

Adrian Vögele

Über die Weihnachtstage ist am Ostschweizer Kinderspital ein positiv auf das Coronavirus getestetes Kind gestorben. Bislang war unklar, ob das Virus auch die Todesursache ist. Nun teilt der Kanton in einem Communiqué mit: Die Infektion mit dem Coronavirus ist nicht die Haupttodesursache.

Die Coronavirus-Infektion hat im weiteren Verlauf eine schwerwiegende bakterielle Infektion der Atemwege nach sich gezogen, die zum tragischen Tod des Kleinkindes geführt hat, wie es in der Mitteilung heisst. Dies hätten die Abklärungen zur Todesursache ergeben. Verbleibende feingewebliche Untersuchungen nähmen noch einige Wochen Zeit in Anspruch.

Der einzige schwere Verlauf

Roger Lauener, Chefarzt Pädiatrie am Kinderspital, hatte zuvor gegenüber unserer Zeitung betont, es handle sich um einen Einzelfall. Bis Weihnachten seien am Spital 853 Covid-Tests gemacht worden, davon fielen 50 positiv aus. «Alle diese Kinder, bis auf das nun tragischerweise verstorbene, hatten einen milden Krankheitsverlauf.» Ins Spital aufgenommen und dort überwacht würden insbesondere Säuglinge und Kleinkinder mit Fieber. Der Grund dafür sei nicht Covid-19, sondern die Gefahr, die von anderen Infektionserregern ausgehe. «In diesem Alter ist nämlich die Unterscheidung zwischen einer meist harmlosen viralen und einer potenziell gefährlichen bakteriellen Infektion oft erst im Verlauf möglich.»

Am Dienstag nach Bekanntgabe der Todesursache des Kindes bekräftigt Lauener auf Anfrage: Auch beim verstorbenen Kind sei SARS-CoV-2 nicht die Hauptursache für den tragischen Verlauf gewesen.

«Bei Kindern mit Covid-19 konnten wir in der Tat bisher günstige Verläufe beobachten, manche müssen ja auch gar nicht hospitalisiert werden.»

Ergibt sich für das Kinderspital aufgrund dieses Falles eine Anpassung beim Umfang mit erkrankten Kindern, die positiv auf Covid-19 getestet wurden oder bei welchen ein Verdacht auf Covid-19 besteht? «Wir überprüfen unsere internen Richtlinien ständig und passen sie neuen Erkenntnissen an», sagt Lauener. «Spezifische Änderungen aufgrund des angesprochenen Falles sehen wir aber – Stand heute – nicht vor.» Jeder aussergewöhnliche Verlauf werde im Spital besprochen, um zu prüfen, ob Anpassungen nötig seien. «Das machen wir immer so, unabhängig von Covid-19.»

Fieber, Appetitlosigkeit: Darauf sollten Eltern achten

Dennoch: Viele Eltern fragen sich derzeit, ob sie derzeit aufgrund der Pandemie besonders wachsam sein müssen. Auf welche Signale sollen sie bei den Kindern achten? «Wenn ein Säugling Fieber hat, wenn ein Kind einen schlechten Allgemeinzustand aufweist, es nicht mehr trinken, spielen mag: Dann sollen die Eltern Rat bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt holen oder notfalls die Notfallstation einer Kinderklinik aufsuchen», sagt Lauener. Das gelte immer, nicht nur in Zeiten von Corona.

Im Rahmen einer Medienkonferenz des Kantons St.Gallen zur Coronapandemie am vergangenen Dienstag hatte auch Kantonsärztin Danuta Zemp betont, man gehe bezüglich des verstorbenen Kleinkindes von einem tragischen Einzelfall aus, «der uns sehr betroffen gemacht hat». Nebst der Covid-Infektion sei bei dem Kind ein weiterer Erreger festgestellt worden, der noch genauer untersucht werden müsse. Diese Untersuchung zeigt nun: Die schwere bakterielle Infektion, und nicht das Coronavirus, war die Hauptursache für den Tod des Kindes.


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