Kinder ab Geburt unterstützen: Nationalrat befürwortet frühkindliche Förderung

SCHWEIZ ⋅ Die grosse Kammer hat einer Vorlage zugestimmt, wonach fortan auch Familien- und Jugendorganisationen für den Bereich von 0 bis 4 Jahren Subventionen des Bundes beantragen können.

18. Juni 2020, 12:59

(sku) Die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung hat laut SP-Nationalrat Matthias Aebischer in den letzten Jahren in der Schweiz signifikant an Bedeutung gewonnen. Noch immer sei es jedoch nicht gelungen, sie nachhaltig in der Schweizer Bildungspolitik zu verankern. Das will der Berner SP-Vertreter ändern.

Er reichte vor drei Jahren eine entsprechende Initiative ein, um Kinder bereits ab Geburt in das bestehende Bundesgesetz über die Förderung der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugendförderungsgesetz, KJFG) aufzunehmen. Die wichtigste Forderung des Vorstosses ist, dass auch Familien- und Jugendorganisationen für den Bereich von 0 bis 4 Jahren Subventionen des Bundes beantragen können.

Ziel ist es, die Kantone bei der Entwicklung von Massnahmenpaketen zu unterstützen. Es ist vorgesehen, dass der Bund pro Jahr höchstens vier Kantonen einmalig Finanzhilfen gewähren kann, und zwar für die Dauer von je drei Jahren in der Höhe von jährlich 100'000 Franken.

Starke Unterschiede in der Entwicklung

Der Nationalrat hat die Vorlage am Donnerstag angenommen. «Wir sind beim Start der Kinder in das obligatorische Schulsystem immer wieder mit starken Unterschieden in ihrer Entwicklung konfrontiert», sagte der Urner CVP-Nationalrat Simon Stadler. «In der frühen Kindheit in eine gute Förderung zu investieren ist besser, als wenn wir später in der Primarschule noch Fördermassnahmen unterstützen müssten.» Längerfristig würden sich Investitionen in die Chancengleichheit deshalb lohnen.

Kritische Stimmen kamen seitens der FDP und der SVP. Die FDP stellte sich hauptsächlich gegen eine Kompetenzverlagerung zulasten der Kantone und gegen befristete Anschubfinanzierungen. Die SVP fürchtete eine Verstaatlichung der Kinder und sah die familienexterne Kinderbetreuung als private Aufgabe. «Es stehen jetzt schon genügend Angebote zur Verfügung, damit sich jedes Kind in der Schweiz früh entwickeln kann», sagte etwa Nadja Pieren (SVP/BE).


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