Glarner bittet Lehrerin um Entschuldigung

SCHULE ⋅ Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner, der eine Stadtzürcher Lehrerin diffamiert hatte, bedauert den Vorfall. "Es war ein Fehler gewesen", sagte Glarner am Sonntag in der Tele-Züri-Sendung "Sonntalk". Er bat die Lehrerin um Entschuldigung.

10. Juni 2019, 02:39

Glarner hatte die Handynummer der Lehrerin in einem Facebook-Post veröffentlicht, daraufhin klingelte das Telefon bei ihr Sturm. Die Lehrerin hatte Eltern in einem Brief über die langjährige Schulpraxis informiert, dass muslimische Schüler für das Bayram-Fest zum Ende des Ramadans freibekommen. Dem SVP-Politiker passte dies nicht und veröffentlichte den Brief auf seinem Facebook-Profil, inklusive Name und Telefonnummer der Lehrerin. "Vielleicht möchte jemand der Lehrerin mitteilen, was man davon hält", schrieb er dazu.

Was er getan habe, sei nicht korrekt gewesen, sagte Glarner in der TV-Sendung. "Es tut mir wirklich leid". Er habe aber nicht wissen können, dass es sich um die private Handynummer der Lehrerin gehandelt habe. Im Brief sei die Nummer explizit als "Schulhandy" deklariert gewesen - ein solches könne man Abends nach 17 Uhr ausschalten.

Die Aktion des Nationalrats löste einen Sturm der Entrüstung aus. Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) verurteilte den Aufruf Glarners in einer Stellungnahme als "inakzeptabel". Die Lehrerin habe korrekt gehandelt. Die Dispensation aus religiösen Gründen habe im Kanton Zürich eine lange Tradition und sei rechtlich klar geregelt. Früher waren es in erster Linie katholische und jüdische Kinder, die im reformierten Zürich an gewissen Feiertagen frei erhielten. Die Regierungsrätin sicherte der Lehrerin die Unterstützung zu. Diese kündigte rechtliche Schritte gegen den Aargauer an.

Auch der Stadtzürcher Schulvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) zeigte sich in einer Mitteilung befremdet über das Verhalten des Politikers. Der Angriff auf die engagierte Lehrerin sei nicht nur ungerechtfertigt, sondern auch unhaltbar. Von einem Politiker müsse man erwarten können, dass er sich der Wirkung eines solchen Posts bewusst sei, schrieb Leutenegger. In diesem Fall sei eine korrekt handelnde Lehrerin an die Öffentlichkeit gezerrt und Belästigungen ausgesetzt worden. (sda)


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