Gewerkschaften fordern 100 Franken mehr Lohn pro Monat in «essenziellen Branchen»

SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Der Schweizerische Gewerkschaftsbund moniert, dass trotz der guten Wirtschaftsentwicklung die Löhne in den letzten Jahren stagnierten. Eine Lohnerhöhung sei trotz Coronakrise dringend nötig.

14. September 2020, 10:24

(dpo/agl) Die Coronakrise hat die Wirtschaft arg in Mitleidenschaft gezogen. Besonders hart traf es beispielsweise die Tourismusbranche. Allerdings gibt es auch Branchen, die bislang gut durch die Krise kamen, wie der Detailhandel oder die Pharmaindustrie. In diesen aktuell krisenresistenteren Branchen seien «substanzielle Lohnerhöhungen» möglich, schreibt der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) in einer Mitteilung vom Montag.

Weil die Löhne in den letzten Jahren stagnierten, präsentierten die SGB-Verbände an einer Medienkonferenz vom Montag in Bern ihre Forderung nach Lohnerhöhungen. Das Krisenargument lässt der SGB dabei nicht gelten. In Branchen mit gutem Geschäftsgang brauche es jetzt dringend Verbesserungen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Unia will Prämie von 2000 Franken für essenzielle Berufe

In den Diskussionen um die laufende Lohnrunde 2020/2021 fordern die Gewerkschaften deshalb Lohnerhöhungen von bis zu 100 Franken oder bis zu zwei Prozent im Monat.

«Die Schweizer Wirtschaft hatte bereits vor der Corona-Krise ein Kaufkraftproblem», sagt Daniel Lampart, Chefökonom beim SGB, gemäss Redetext. Dieses Problem habe sich in den letzten Monaten jedoch noch akzentuiert. Am stärksten davon betroffen seien Berufstätige mit tieferen Löhnen. Lohnerhöhungen seien deshalb für die angeschlagene Binnenkonjunktur besonders wichtig.

Auch Bankpersonal soll Prämie erhalten

«Von Applaus kann man nicht leben», heisst es derweil in einer Mitteilung der Gewerkschaft Unia. Die Krise habe gezeigt, dass einige Berufe für die Grundversorgung der Bevölkerung entscheidend sind. Die Unia fordert darum in den «essenziellen Branchen», zu denen unter anderem Online-Händler, Grosshandelsbetriebe und öffentliche Institutionen zählen, eine Lohnerhöhung von mindestens 100 Franken sowie eine Prämie von mindestens 2000 Franken.

Auch Bankangestellte hätten in der Krise überdies viel geleistet und so zu den erfreulichen finanziellen Ergebnissen der Branche beigetragen. Für sie fordert der Schweizerische Bankenpersonalverband darum eine Lohnerhöhung von 1,8 Prozent sowie eine einmalige Prämie von 900 Franken. Der Verband ruft den Bankensektor dazu auf, Solidarität zu zeigen, indem er zur Erhaltung der Kaufkraft seiner Beschäftigten beiträgt und so das Vertrauen in die Zukunft stärkt.


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