Gegen den Verlust von Grünflächen

RAUMPLANUNG ⋅ Die Baufläche in der Schweiz soll begrenzt werden. Das fordern die Jungen Grünen mit der Zersiedelungsinitiative, über die am 10. Februar abgestimmt wird. Am Dienstag hat das Pro-Komitee den Abstimmungskampf eröffnet.

Aktualisiert: 
08.01.2019, 11:18
08. Januar 2019, 11:00

Jeden Tag werde in der Schweiz eine Fläche von acht Fussballfeldern verbaut, sagte Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, vor den Medien in Bern. Jede Sekunde gehe ein Quadratmeter Grünfläche verloren.

Mit der Initiative "Zersiedelung stoppen - für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung" (Zersiedelungsinitiative) soll diese Entwicklung gestoppt werden. Bei einem Ja müssten Neueinzonungen von Bauflächen durch Rückzonungen an einem anderen Ort kompensiert werden. Die Bauzonen würden nicht eingefroren, sagte Franzini. Sie könnten dorthin verschoben werden, wo sie gebraucht würden. Heute bestünden Baulandreserven von 400 Quadratkilometern.

Über die Kantonsgrenzen hinaus

Wie der Mechanismus zur Kompensation genau ausgestaltet werden soll, lässt die Initiative offen. Den Initianten schwebt vor, dass Gemeinden Bauland untereinander abtauschen könnten. Entsprechende Instrumente würden in einzelnen Kantonen bereits entwickelt, halten sie fest.

Einen ähnlichen Mechanismus bräuchte es auf Bundesebene, damit die Kompensation über die Kantonsgrenzen hinaus möglich wäre, sagte Bastien Girod, Nationalrat der Grünen (ZH). Das Parlament würde bei der Umsetzung mit Sicherheit dafür sorgen, dass regionale Entwicklung möglich bliebe.

Raumplanungsgesetz ungenügend

Fest steht für die Initianten, dass das revidierte Raumplanungsgesetz nicht genügt, um die Zersiedelung zu stoppen. Zwar werde in gewissen Kantonen weniger zerstreut gebaut, namentlich im Wallis, sagte Girod. Die Verbauung von Grünflächen gehe aber ungebremst weiter, insbesondere im Mittelland.

Gemäss dem geltenden Gesetz dürfe nämlich neues Land eingezont werden, sobald für einen Planungshorizont von 15 Jahren Bedarf an Bauland nachgewiesen werde. Auch die geplante nächste Gesetzesrevision sei keine Alternative zur Initiative.

Nicht jedes Maiensäss umbauen

Mit dem heutigen Parlament bestehe vielmehr die Gefahr, dass das Bauen ausserhalb der Bauzonen weiter vereinfacht und jedes Maiensäss in einen Ponyhof umgebaut werde, sagte Girod. Bei einem Ja zur Initiative dürften ausserhalb der Bauzone ausschliesslich Bauten für die bodenabhängige Landwirtschaft oder von öffentlichem Interesse bewilligt werden.

Ausserdem würde in der Bundesverfassung verankert, dass nachhaltige Formen des Wohnens gefördert werden. Der effizientere und sinnvollere Umgang mit den Bauzonen werde auch die Situation auf dem Wohnungsmarkt verbessern, sagte Kevin Morisod, Co-Präsident der Jungen Grünen.

Bevölkerung unzufrieden

SP-Nationalrat Thomas Hardegger (ZH) wies auf Umfragen und Abstimmungen in Kantonen und Gemeinden hin. Diese zeigten, dass die Bevölkerung unzufrieden sei mit den geltenden Regeln.

Im Kanton Zürich wurde 2012 die Kulturlandinitiative angenommen, was zu einem fünfjährigen Einzonungsmoratorium führte. "Der Kanton Zürich existiert immer noch", stellte Hardegger fest. Der Wert der eingezonten, schlecht ausgenutzten Areale habe einen höheren Stellenwert erhalten und zur effizienteren Nutzung des bestehenden Siedlungsgebietes beigetragen.

Notbremse ziehen

"Niemand behauptet, die Zersiedelungsinitiative wäre einfach umzusetzen", räumte Hardegger ein. Doch nur mit einem Einzonungsmoratorium würden Bundesrat und Parlament gezwungen, Kulturland und Landschaften zu schützen. Mit der Zersiedelungsinitiative werde die Notbremse gezogen.

Es seien genügend unternutzte Zonen und Industriebrachen vorhanden, die teilweise bereits gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen seien. Nötig sei jedoch eine regionale Betrachtungsweise. "Nicht jede Kleinstgemeinde braucht eine Industriezone, ein Einkaufszentrum und ein Villenviertel."

Keine Frage von links oder rechts

Markus Schwegler von der Kleinbauern-Vereinigung wies auf den Wert des Bodens für die Lebensmittelproduktion und die Ökosysteme hin. Die Initiative wird auch von Umweltverbänden wie Pro Natura, VCS oder Greenpeace unterstützt.

Der Schutz des Kulturlandes sei keine Frage von links oder rechts und auch keine Frage von Stadt oder Land, sagte Franzini. Dafür zu sorgen, dass die Schweiz in 30 Jahren nicht zugebaut und grau sei, entspreche schlicht dem gesunden Menschenverstand. (sda)


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