Frontalangriff auf DPD: Gewerkschaft Unia prangert Arbeitsbedingungen an

SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Die Arbeitsbedingungen der meist von Subunternehmern angestellten DPD-Kuriere seien miserabel, kritisiert die Gewerkschaft Unia. Die DPD verweist auf ihre Subunternehmen.

23. Februar 2021, 12:09

Die DPD-Fahrer seien «Helden der Pandemie», heisst es in einem am Dienstag von der Gewerkschaft Unia publizierten Report. Ihr Einsatz werde aber alles andere als honoriert: Die Gewerkschaft spricht von Lohndumping, mangelnden Arbeitszeitkontrollen, 70-Stunden-Wochen während der Hochsaison und fehlendem Gesundheitsschutz. Das alles habe System, so die Unia: Die Männer im roten DPD-Hemd sind nämlich nicht bei der Firma selbst angestellt, sondern arbeiten für Subunternehmen.

Gewerkschaftssekretär Michael Lörtscher führte an einer Medienkonferenz am Dienstag aus, dass die realen Stundenlöhne der DPD-Fahrer bei lediglich 12-15 Franken lägen. Dies sei «extrem tief». Dazu kämen Lohnabzüge aufgrund von Verspätungen oder Lieferschäden. Diese berechne DPD den Subunternehmen, die daraufhin einfach die Löhne kürzten, dies allerdings ohne den Arbeitnehmern Gelegenheit zu geben, ihre Darstellung des Sachverhalts zu schildern. Diese Praxis sei« rechtlich unhaltbar», so Lörtscher.

Ein schlechtes Zeugnis stellte Lörtscher ausserdem dem Gesundheitsschutz aus. Manche Chauffeure, meist junge Männer, lieferten alleine und ohne Hilfsmittel Pakete mit einem Gewicht von bis zu 51 Kilogramm aus. Die Suva empfehle ein Maximalgewicht von 25 Kilogramm. Entsprechend häufig klagten die Fahrer über Rücken- und Gelenkschmerzen. Verkehrsvorschriften würden wegen des grossen Zeitdrucks kaum eingehalten, die Fahrer hätten nicht einmal Zeit für Toilettenpausen: «Sie müssen in Flaschen pinkeln», sagte Lörtscher.

Unia will Gesamtarbeitsvertrag und Regulierung durch die Politik

Der Stress, der auf den DPD-Fahrern lastet, kommt gemäss dem Unia-Report daher, dass die Zeiten für Fahrt und Lieferstopps von Algorithmen berechnet würden und sich in der Praxis nicht einhalten liessen. Da die DPD ausserdem per Scanner in Echtzeit überwache, wer wann welches Paket ausgeliefert hat, seien die Fahrer ständig gestresst.

Die Unia fordert Verhandlungen über einen Gesamtarbeitsvertrag. Ausserdem sei die Politik gefordert, den Paket-Markt in der Schweiz stärker zu regulieren. Auch die kantonalen Arbeitsinspektorate müssten aktiv werden, so die Unia. Die DPD hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäussert. Eine entsprechende Anfrage von CH Media blieb unbeantwortet.

In einem vom Schweizer Fernsehen SRF publizierten Dokument verweist DPD auf die Subunternehmen: «Grundsätzlich übernehmen die Vertragspartner die Einsatzplanung ihrer Fahrerinnen und Fahrer», heisst es in dem mit dem Logo der Beratungsfirma MME versehenen Dokument. Das Unternehmen sei ausserdem bereit für einen Dialog mit der Unia. Allerdings müsse diese konkrete Fälle darlegen: «Unia hat gegenüber DPD bisher nur pauschale Vorwürfe ohne Evidenz angebracht».


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