Bundespräsident fordert: «Es braucht eine Maskenpflicht für Nichtgeimpfte im öV»

SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Geht es nach Bundespräsident Guy Parmelin, müssen Nichtgeimpfte im öffentlichen Verkehr künftig eine Maske tragen. Auf internationalen Reisen dagegen werde in Zukunft sicher eine Impfpflicht gelten.

21. Februar 2021, 08:24

Samuel Thomi

Noch hat der Bundesrat nicht entschieden, wie die Schweiz mit der Situation umgehen soll, wenn immer mehr Personen immun sein werden gegen das Coronavirus. Und zwar egal ob dies nach einer Krankheit oder dank einer Impfung der Fall ist. Dennoch stellt Bundespräsident Guy Parmelin im Interview mit der «NZZ am Sonntag» bereits jetzt klar:

«Es braucht eine Maskenpflicht für Nichtgeimpfte im öffentlichen Verkehr.»

Im öffentlichen Bereich müssten die Massnahmen allerdings generell so milde sein wie möglich. Dies im Gegensatz etwa zu privaten Veranstaltungen, bei denen die Organisatoren selber über die Zulassung zu ihrem Event entscheiden dürfen. Dort zeigt Guy Parmelin Verständnis, wenn diese einen Impfnachweis verlangen würden.

Punkto öffentlicher Verkehr geht Parmelin davon aus, dass in der Schweiz ein negativer Test ausreichen dürfte, um Zutritt zur Bahn oder zu Bussen und Trams zu erhalten. «Aber der Test muss vom gleichen Tag stammen», sagte der Bundespräsident im Interview. Denn man wisse zwar, dass die Impfung vor einer Ansteckung schütze. Aber es sei noch offen, ob Geimpfte das Virus allenfalls doch übertragen können. «Deshalb werden die Hygiene- und Distanzregeln sicher noch eine Weile gelten», so der Bundespräsident.

Ethikkommission empfiehlt Zurückhaltung

Weit zurückhaltender hat sich in der Frage nach Impf-Privilegien bislang die Eidgenössische Ethikkommission positioniert. Sie lehnt einerseits ein Impfobligatorium ab. Andererseits empfiehlt sie nur unter sehr restriktiven Bedingungen zuzulassen, dass die Bestätigung einer Impfung verlangt werden darf. Laut Medienberichten berät die Ethikkommission dieser Tage den Bundesrat bei der Erarbeitung einer Strategie für den Umgang in der Öffentlichkeit mit Geimpften respektive Nichtgeimpften.

Für den Theater-, Kino-, Konzert- oder Restaurantbesuch sowie für den Besuch von Sportveranstaltungen erachtet die Ethikkommission einen Impfnachweis beispielsweise als unzulässig. Eine Möglichkeit für eine Impfbestätigung sähe sie jedoch bei Flügen – insbesondere auf Langstrecken. Auch weitere Vorteile für Geimpfte – etwa bei der Quarantänepflicht – kann sich die Ethikkommission durchaus vorstellen. Entscheidend sei jedoch in allen Fällen, dass alle Interessierten Zugang zu einer Impfung haben. Was derzeit in der Schweiz ohnehin nicht der Fall ist. Und dass eine Impfung auch vor einer Weiterverbreitung des Coronavirus schützt. Was ebenfalls noch unklar ist.

«Wer reisen will, muss sich künftig impfen lassen»

Bei internationalen Reisen zeigt sich in dem Interview denn auch Guy Parmelin überzeugt, dass manche Fluggesellschaften ein Impfzertifikat verlangen werden. «Wer reisen will, muss sich künftig impfen lassen.» Das sei beim Gelbfieber ja auch der Fall, zieht der Bundespräsident einen Vergleich.

Grundsätzlich zeigt sich Parmelin «positiv überrascht», wie viele ältere Menschen sich impfen lassen würden. In den Altersheimen in Freiburg beispielsweise hätten sich bereits über 90 Prozent der Bewohnenden impfen lassen. «Dass sie jetzt untereinander wieder ohne Maske Karten spielen können, hat sie motiviert», sagt der Bundespräsident. «Gleichzeitig enttäuscht es mich etwas, dass sich nicht einmal die Hälfte des Personals impfen lässt.»

Wirtschaft fordert totale Öffnung nach Impfung

In der Politik fallen die Meinungen zur Privilegierung von Geimpften derweil gemischt aus. SVP-Präsident Marco Chiesa etwa lehnt eine «staatliche Diskriminierung» von Ungeimpften ab, wie er kürzlich der NZZ sagte. «Privilegien für Geimpfte kämen zudem einem Impfzwang durch die Hintertüre gleich», erklärt der Tessiner. Die meisten übrigen Statements bisher lassen darauf schliessen, dass die Impffrage als Privatsache beurteilt wird.

Anders die Wirtschaftsverbände: Economiesuisse und Gewerbeverband pochen in ihren Ausstiegsplänen für den Lockdown geradezu auf die Unterscheidung zwischen Geimpften und Nichtimpfwilligen. Konkret: Wer den Pieks erhalten hat, für den sollen sofort alle Einschränkungen fallen.


Login