Berset warnt vor Angriff auf «faktenorientierte und demokratische Gesellschaftsform»

SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Nach gut einem halben Jahr Corona-Politik wächst die Kritik und der Widerstand gegen Schutzmassnahmen. Bundesrat Alain Berset zeigt Verständnis und warnt zugleich vor einer lauten, kleinen Minderheit.

13. September 2020, 08:45

(sat) Einerseits zeigt Bundesrat Alain Berset Verständnis dafür, dass er und der Bundesrat in den letzten Wochen und Monaten immer stärker kritisiert werden. «Es ist verständlich, ja normal, dass manche unsere Corona-Politik als zu grossen Eingriff ins persönliche Leben empfinden und einfach alles weghaben möchten», sagt der Gesundheitsminister im Interview mit der «SonntagsZeitung». Die Opposition gegen die Corona-Politik sei allerdings äusserst heterogen.

Für jene Leute, welche «Entscheide hinterfragen und eine faktenbasierte Debatte über die Gefahr des Virus und unsere Massnahmen führen wollen», zeigt Berset dabei Verständnis. Das ist laut dem Gesundheitsminister «die grosse Mehrheit der Kritiker». Andererseits warnt der Bundesrat vor einer lauten Minderheit von Corona-Verschwörungstheoretikern: «Hier soll offensichtlich eine Bewegung gegen unsere faktenorientierte und demokratische Gesellschaftsform aufgebaut werden.» Die sogenannte Anti-Corona-Bewegung, welcher mittlerweile auch Richter, Professoren und Ärzte angehören, sei eine Mischung verschiedener Ideologien.

Berset hat sich auch Verschwörungs-Videos angeschaut

Laut Berset vermischen sich dabei «Rechtsaussen, radikale Impfgegner, auch obskure Verschwörungstheorien». Nachdem er mehrere von Kritikern verbreitete Videos angeschaut habe, scheine ihm einiges dieser Opposition aus dem Ausland importiert. Er habe «wenig Verständnis für jene Strömung, die das Virus das weltweit viel Leid verursacht, negiert», sagt der Gesundheitsminister in dem Interview. Und es sei «unsinnig und unredlich», dem Bundesrat «diktatorisches Verhalten vorzuwerfen».

Vielmehr habe der Bundesrat immer «mit Augenmass gehandelt». Oft selbst dann, wenn die Experten härtere Massnahmen forderten, sagt der Gesundheitsminister. Alain Bersets Fazit: «Die Schweiz gehört zu den liberaleren Ländern, was die Corona-Massnahmen angeht.» Im Übrigen habe er und der Bundesrat in den letzten Wochen und Monaten auch unzählige Zuschriften erhalten, worin die Leute der Landesregierung für ihre Corona-Politik danken würden.


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