Baby-Aale wieder in Freiheit

FISCHE ⋅ 30'000 Jungaale, die Mitte Januar am Flughafen Genf beschlagnahmt wurden, leben wieder in der freien Natur. Sie wurden am Freitag im Murtensee ausgesetzt.

08. Februar 2019, 15:12

Ganz einfach war die Übung nicht: Die Fische waren in Behältern mit zehngrädigem Wasser aufbewahrt worden, derweil das Wasser im Murtensee zurzeit keine vier Grad warm ist. Die Spezialisten des Bundes entschieden sich deshalb für eine Aussetzung in mehreren Schritten.

Den Murtensee wählten sie, weil er dem natürlichen Lebensraum der Tiere nahe kommt. Von hier können die Aale nun in den Neuenburger- und Bielersee gelangen, via Broye- und Zihlkanal, und landen dereinst im Rhein und schliesslich in der Nordsee.

Der Fall hatte vor allem in der Westschweiz für Aufsehen gesorgt: Strafverfolger beschlagnahmten am 19. Januar am Flughafen Genf sechs Koffer mit etwa 130'000 Jungaalen. Sieben Personen wurden festgenommen. Zurzeit läuft eine Untersuchung, um das Ausmass des Handels festzustellen.

Wenige Tage zuvor waren am Flughafen Zürich drei Koffer mit über 100'000 Baby-Aalen beschlagnahmt worden. Laut Tamedia-Berichten schwammen sie in Plastiksäcken, halb mit Wasser gefüllt und mit Sauerstoff übersättigt, gekühlt durch Eis in PET-Flaschen. Zwei Personen sitzen noch immer in Untersuchungshaft. Die Tiere wurden im Rhein wieder ausgesetzt.

Lange Wege

Die in der Sargassosee östlich Floridas geborenen Jungaale werden auch Glasaale genannt, weil sie in diesem Stadium noch durchscheinend sind. Sie wandern mit dem Golfstrom an die nordafrikanische und europäische Atlantikküste und dringen dort in die Flussgebiete vor.

Im Prinzip leben sie dort bis zur Erlangung der Geschlechtsreife, wie Vertreter des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) am Freitag vor den Medien in Murten erklärten. Zur Fortpflanzung wandern die Glasaale eigentlich in die Sargassosee zurück, dieses Mal allerdings gegen den Golfstrom.

Soweit kommt es allerdings häufig nicht. Denn die Fische werden in den nordafrikanischen und europäischen Flussmündungen in grossen Mengen gefangen. Anschliessend werden sie entweder in Aquakulturen gemästet und dann verkauft - oder sie werden als Larven illegal nach Asien transportiert und dort als Delikatesse verspeist.

Hohe Margen

Die Aale sind heiss begehrt. Ein Kilo der Mini-Fische ist später, wenn sie ausgewachsen sind, eine Million Franken wert. Laut Medienberichten erzielen sie höhere Margen als Kokain. Das rief das organisierte Verbrechen auf den Plan.

In den letzten 30 Jahren gingen die Bestände des europäischen Aals um rund 90 Prozent zurück. Deshalb ist dieser Aal auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten eingetragen. Er ist auch im CITES-Abkommen über den Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere aufgeführt. In der EU ist die Ein- und Ausfuhr des europäischen Aals streng verboten. (sda)


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