Wieder Rücktritt eines Thorberg-Direktors

JUSTIZ ⋅ Der Kanton Bern muss erneut einen Chef für die Strafanstalt Thorberg suchen: Direktor Thomas Egger tritt auf Ende Jahr zurück.

Aktualisiert: 
14.05.2019, 12:52
14. Mai 2019, 09:37

Auf dem Thorberg mit seinen 180 Häftlingen herrscht seit längerem ein schlechtes Betriebsklima. Der bernische Polizeidirektor Philippe Müller (FDP) stellte Direktor Egger vergangenen Herbst einen externen Coach zur Seite, der darauf die Stimmung in der Anstaltsführung und unter den 130 Mitarbeitenden auslotete.

Das Fazit des Psychologen Karl-Heinz Vogt: Das Tagesgeschäft funktioniere gut, die von Egger umgesetzte Reorganisation der Strukturen und Abläufe sei "sinnvoll und zweckmässig". Verbessern müsse man aber die Konflikt- und Krisenkultur im Betrieb sowie den Umgang untereinander.

"Wir müssen uns in nächster Zeit um die Anstaltskultur kümmern", sagte Vogt am Dienstag vor den Medien. "Wofür steht der Thorberg, was ist wichtig? Wie erreichen wir die gesetzlichen Ziele? Sehen wir die Insassen als Menschen oder nur als Täter? Was heisst Betreuung von Insassen?" Solche Kernfragen seien in den vergangenen zehn Jahren nicht oder zu wenig diskutiert worden.

"Niemand hat mich gedrängt"

Direktor Egger wird bei diesem "nächsten Kapitel auf dem Thorberg" nicht mehr dabei sein: Er tritt Ende Jahr ab. Den Entscheid habe er selbständig getroffen, betonte er mehrmals. Stets habe er das Vertrauen des Polizeidirektors und auch der zuständigen Amtsvorsteherin gespürt. "Niemand hat mich zum Rücktritt gedrängt."

Egger ist 56 Jahre alt. Er liess offen, ob er seine berufliche Zukunft weiterhin im Justizvollzug sieht. Gescheitert sei er auf dem Thorberg nicht, betonte er auf Journalistenfragen. Vielmehr habe er erfolgreich eine Reorganisation umgesetzt.

Polizeidirektor Müller dankte Egger ausdrücklich für seine Arbeit und für seinen Rücktrittsentscheid, der von Verantwortungsbewusstsein zeuge. Eine Abgangsentschädigung werde Egger nicht erhalten. "Er hat auch keine verlangt."

Die Probleme auf dem Thorberg sind seit längerem bekannt, untermauert wurden sie durch eine Mitarbeiterbefragung. Coach Vogt, dessen Arbeit den Kanton 65'000 Franken kostet, betonte aber nach Dutzenden Gesprächen vor Ort, die überwiegende Zahl der Mitarbeitenden sei positiv und konstruktiv an der Arbeit.

Mehrere Wechsel

Die Thorberg-Führung hat in den vergangenen Jahren mehrmals gewechselt - 2011 durch die Pensionierung des damaligen Direktors, Anfang 2014 durch den erzwungenen Abgang seines Nachfolgers. Diesem wurden Begünstigung von Häftlingen und Besuche auf dem Drogenstrich vorgeworfen.

Nach einer Interimsphase trat Thomas Egger im November 2014 sein Amt an. Er bleibt Direktor bis Ende 2019, "um einen geordneten Übergang sicherzustellen". Nun werde zügig an einer geeigneten Persönlichkeit für seine Nachfolge gesucht, sagte Romilda Stämpfli, seit Anfang Jahr Chefin des Amts für Justizvollzug (AJV).

Die Turbulenzen auf dem Thorberg sorgten vergangenes Jahr dafür, dass auch das AJV als zuständiges Amt in die Kritik geriet. Nun soll die AJV-Geschäftsleitung von zwölf auf acht Personen verkleinert werden, wie am Dienstag bekannt wurde. Weitere Reformen sind im Gang.

Abgang im Amt

Zu einem personellen Wechsel kommt es zudem im Amtsstab: Der bisherige stellvertretende Amtsvorsteher verlässt das Amt im Juni. Er suche eine neue berufliche Herausforderung, hiess es an der Medienkonferenz.

Vergangenes Jahr hatte er das Amt interimistisch geleitet. Privat ist er mit der stellvertretenden Thorberg-Direktorin liiert. Dass er nun gehe, stehe aber in keinem Zusammenhang mit der privaten Verbindung, sagte Polizeidirektor Müller auf eine Journalistenfrage.

"Uns war die Beziehung von Anfang an bekannt", betonte Müller. Ein Problem sei das nicht gewesen, denn es habe ja eine Führungsstufe dazwischen gegeben in der Person des Thorberg-Direktors. "Es gab nie einen Fall, bei dem man hätte sagen müssen, das sei jetzt heikel oder so." (sda)


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