Weniger Armeewaffen gehen in Privateigentum

ARMEE ⋅ In der Schweiz sind im vergangenen Jahr 107 Armeewaffen verloren gegangen. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr. Rückläufig ist demgegenüber die Zahl der Waffen, die Armeeangehörige nach Beendigung des Wehrdienstes übernehmen.

08. Januar 2019, 11:11

2017 waren noch 85 Sturmgewehre und Armee-Pistolen verloren gegangen, wie das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) am Dienstag einen Bericht des "Blicks" bestätigte. Ein Jahr zuvor waren es 69 Waffen gewesen, die nicht mehr auftauchten.

Seit 2009 habe die Armee insgesamt 766 Armeewaffen als vermisst registriert. Immerhin sind im vergangenen Jahr wieder 36 vermisste Armeewaffen aufgetaucht. Drei Sturmgewehre wurden im Ausland sichergestellt, alle übrigen aufgefunden Waffen in der Schweiz.

Gemäss Armeesprecher Stefan Hofer gibt es viele Gründe für die Waffenverluste. So würden etwa bei Einbrüchen oder unterwegs beim Einrücken Armeewaffen gestohlen oder sie würden bei einem Hausbrand zerstört. Aber selbst während des Militärdienstes könnten sie beispielsweise beim Übersetzen über einen Fluss spurlos verschwinden, wenn eine Waffe ins Wasser falle.

Die Waffenverluste der Armee bewegten sich im Promillebereich. Trotzdem setze die Armee alles daran, dass keine Waffen abhanden kämen. So würden die Angehörigen der Armee im Dienst regelmässig auf ihre Pflicht zur sicheren Aufbewahrung der Waffen aufmerksam gemacht. Seit 2017 findet sich zudem in jedem Dienstbüchlein ein Flyer zum Thema "Waffenverlust verhindern".

Hofer wies auch darauf hin, dass der Verlust einer privaten oder persönlichen Armeewaffe umgehend bei der nächsten Polizeistelle angezeigt werden müsse. Dies habe einen direkten Einfluss auf eine mögliche Bestrafung des Fehlbaren.

Weniger Interesse an Übernahme der Waffe

Schweizer Armeeangehörige haben offenbar in den letzten Jahren das Interesse daran verloren, ihre Waffen nach Abschluss der Wehrpflicht zu übernehmen. So gingen laut VBS 2017 noch 2513 Waffen in Privateigentum über. Es handelte sich dabei um 1523 Sturmgewehre und 990 Pistolen. 90 Prozent der Entlassenen interessierten sich demnach nicht für ihre Armeewaffe.

2004, als mit der Einführung der Armee XXI eine deutliche Verkleinerung der Bestände stattfand, hatten noch 43 Prozent der entlassenen Armeeangehörigen ihre Waffen übernommen. Damals gingen 31'915 Waffen in Privatbesitz über, nämlich 20'109 Sturmgewehre und 11'806 Pistolen. Seit 2004 wurden insgesamt über 106'000 Waffen nachdem Dienstaustritt abgegeben.

Das abnehmende Interesse dürfte auch mit verschärften Bestimmungen ab 2010 zusammenhängen. Und mit der Übernahme der EU-Waffenrichtlinie sollen die Auflagen noch einmal verschärft werden. Allerdings dürfte das Volk dazu das letzte Wort haben. Die für das Referendum dagegen benötigten 50'000 Unterschriften sollen Mitte Januar bei der Bundeskanzlei eingereicht werden. (sda)


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