Salman-Schwester in Paris vor Gericht

FRANKREICH ⋅ Im Prozess gegen die saudische Prinzessin Hassa bint Salman wegen eines mutmasslichen Angriffs auf einen Handwerker in Paris hat die Anklage sechs Monate Haft auf Bewährung gefordert. Sie soll den Leibwächter angewiesen haben, den Mann in ihrer Wohnung zu verprügeln.

Aktualisiert: 
10.07.2019, 02:52
09. Juli 2019, 23:06

Die Anklage verlangte am Dienstag vor dem Pariser Strafgericht zudem eine Geldstrafe von 5000 Euro gegen die Schwester des mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Gegen ihren Leibwächter forderte die Staatsanwaltschaft acht Monate Gefängnis und ebenfalls 5000 Euro Geldstrafe. Die 42-jährige Prinzessin, gegen die ein Haftbefehl vorliegt, blieb dem Prozess in der französischen Hauptstadt fern. Das Urteil soll am 12. September verkündet werden.

Auch das mutmassliche Opfer blieb dem Prozess fern. Der Handwerker gibt an, auf Geheiss der Prinzessin von ihrem Bodyguard geschlagen und von ihr gedemütigt und beleidigt worden zu sein. Eine Aussage vor Gericht machte zunächst nur der beschuldigte Leibwächter.

Auslöser der mutmasslichen Gewalt war laut Anklage ein harmloses Foto: Der Handwerker sollte im September 2016 Reparaturen in der luxuriösen Wohnung der Prinzessin in der Avenue Foch im Pariser Westen ausführen. Nach eigenen Angaben machte er ein Bild des Badezimmers, in dem er ein Waschbecken reparieren sollte. Die Prinzessin, die in diesem Moment das Bad betrat, habe ihm vorgeworfen, Abzüge ihres Spiegelbildes zu machen, um sie an die Presse zu verkaufen.

"Ich habe die Prinzessin um Hilfe rufen gehört", sagte der Leibwächter am Dienstag vor Gericht. Daraufhin habe er den Raum betreten und gesehen, wie sich die Prinzessin und der Kläger um das Handy des Handwerkers stritten. "Ich habe in gepackt und ihn unter Kontrolle gebracht. Ich wusste nicht was er vorhatte."

Musste er ihre Füsse küssen?

Das mutmassliche Prügelopfer beschrieb den Ermittlern dagegen, wie die Prinzessin ihren Leibwächter anwies, ihn zu schlagen. "Dieser Hund muss getötet werden, er verdient es nicht zu leben", habe sie gesagt, zitierte die Zeitschrift "Le Point" den Klempner. Ausserdem habe er sich mit gefesselten Händen niederknien und die Füsse der Prinzessin küssen müssen. Erst nach Stunden habe er die Wohnung wieder verlassen dürfen.

Die Schwester des mächtigen saudiarabischen Thronfolgers wird wegen des Vorfalls seit Dezember 2017 mit französischem Haftbefehl gesucht. Die Anklage lautet auf Anstiftung zur körperlichen Gewalt und zur Freiheitsberaubung. Zudem wirft ihr der Handwerker Diebstahl vor, weil sie sein Handy weggenommen haben soll.

Königsfamilie hatte bereits Ärger in Paris

Der Leibwächter muss sich wegen Gewalt unter Zuhilfenahme einer Waffe und Freiheitsberaubung verantworten. Der Mitarbeiter der Prinzessin bestreitet die Vorwürfe. Es gebe "zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten" in der Darstellung des Klempners, erklärte der Anwalt des Leibwächters. Die Saudiaraber haben den Handwerker ihrerseits wegen übler Nachrede verklagt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Königsfamilie aus Riad Ärger mit der französischen Justiz hat: 2013 hatten Richter die Beschlagnahmung von in Frankreich erworbenen Gütern von Maha Al Sudairi angeordnet, der Ex-Frau des verstorbenen Kronprinzen Najef bin Abdelasis Al Saud. Die Prinzessin hatte bis Juni 2012 mit einer rund 60-köpfigen Entourage monatelang im Pariser Luxushotel Shangri-La residiert - und blieb am Schluss fast sechs Millionen Euro schuldig. (sda/afp)


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