Rio verabschiedet Karneval mit Paraden

KARNEVAL ⋅ Ein letztes Mal gehen in Rios Paradenstrasse Sambódromo die Rollgitter auf. Neben Farbenrausch und Lebensfreude schwangen auch dieses Jahr kritische Töne im traditionell eher unpolitischen Karneval mit.

10. März 2019, 04:41

Glitzernde Kostüme, prächtige Wagen, ewiges Strahlen: Eine Schau der sechs besten Sambaschulen 2019 läutete in Brasiliens Metropole Rio de Janeiro das Ende des Karnevals ein. Als erste der Schulen zog Mocidade am Samstagabend (Ortszeit) in die Paradenstrasse Sambódromo in der Innenstadt ein. Der Veranstalter Rio Carnaval hatte zuvor auf seiner Webseite gemeldet, alle Eintrittskarten seien ausverkauft. Auf den Zuschauertribünen haben etwa 70'000 Menschen Platz.

Die erstplatzierte Schule Mangueira sollte am frühen Sonntagmorgen das glanzvolle Schlusslicht setzen. Insgesamt hatten 14 Schulen in den Paraden vom vergangenen Wochenende um den Einzug in die Gruppe der besten Sechs konkurriert.

Tagsüber hatte es in Rio und anderen Karnevalshochburgen wie São Paulo zahlreiche Strassenkonzerte von Musik- und Tanzgruppen - den Blocos - gegeben. Am Sonntag wollten einige Gruppen ein letztes Mal mit Samba, aber auch Rock und Funk aufspielen.

Zwischenfälle und kritische Töne

Bei einigen der immer kostenlosen und damit für alle zugänglichen Strassenkonzerten war es während der tollen Tage in verschiedenen Städten des Landes zu Zwischenfällen gekommen; ein Konzert beendete die Militärpolizei in Rio am Dienstag sogar vorzeitig und setzte dabei unter anderem Tränengas ein.

In den Paraden von Rios Sambaschulen und auf den Strassen schwangen auch dieses Jahr kritische Untertöne mit. Die Siegerschule Mangueira etwa erzählte mit Seitenhieben auf Kirche und Konquistadoren die Kolonialgeschichte Brasiliens - und baute elegant in ihren Auftritt auch noch das Gedenken an die vor fast einem Jahr unter mysteriösen Umständen ermordete schwarze Stadträtin Marielle Franco ein.

Sieben Millionen Besucher

Zu den zahlreichen Strassenumzügen kamen viele Menschen in Regenbogenfarben und setzten damit Zeichen für sexuelle Vielfalt. Andere demonstrierten mit Plakaten oder Gesängen gegen den neuen Präsidenten Jair Bolsonaro und seinen rechten Kurs. Auch gab es Proteste gegen Umweltkatastrophen wie den Dammbruch im Staat Minas Gerais mit mindestens 186 Toten.

Allein für den Karneval in Rio rechnete die Stadtregierung im voraus mit mehr als sieben Millionen Besuchern aus dem In- und Ausland. Rios Sambaschulen hatte Bürgermeister Marcelo Crivella dieses Jahr allerdings erneut die öffentlichen Gelder gekürzt. 2020 könnten sie ganz wegfallen, sagte er zudem. Crivella will erreichen, dass sich die Schulen private Geldgeber suchen. Der Bürgermeister ist Evangelikaler und hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, er könne dem Karneval nichts abgewinnen. (sda/dpa)


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