Kritik an Indiens Politik in Kaschmir

KASCHMIR ⋅ Die Menschen in der zwischen Pakistan und Indien umstrittenen Region Kaschmir fürchten nach den Worten des pakistanischen Aussenministers Shah Mehmood Qureshi einen Völkermord.

10. September 2019, 15:27

Vor dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf verurteilte er am Dienstag, dass Indien dem von Neu Delhi kontrollierten Teil Kaschmirs Anfang August die Teilautonomie entzogen hat. Damit soll die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Region stärker in das mehrheitlich hinduistisch geprägte Indien integriert werden.

Mehr als 6000 Menschen seien in Kaschmir festgenommen worden, sagte Qureshi. Indien habe die Region zum "grössten Gefängnis auf dem Planeten" gemacht. Acht Millionen Einwohner seien eingekerkert. Es gebe Versorgungsengpässe, und Spitälern gingen die Medikamente aus. Qureshi rief Indien auf, eine Uno-Untersuchungskommission in das Gebiet zu lassen, um Berichten über Folter und Gewalt nachzugehen.

"Ich schrecke davor zurück, das Wort "Völkermord" in den Mund zu nehmen, aber ich muss es tun", sagte der Aussenminister. Das Leben der Einwohner Kaschmirs und ihre Lebensart seien bedroht, sagte er. Er erinnerte an den Völkermord in Ruanda, wo 1994 bis zu eine Million Menschen umkamen, und an die Kriegsverbrechen in Srebrenica während des Bosnienkriegs, wo 1995 tausende Menschen ermordet wurden.

Seit der Unabhängigkeit des früheren Britisch-Indiens und der Trennung in Indien und Pakistan im Jahr 1947 streiten die beiden Länder um die Herrschaft über Kaschmir. Sie führten bereits zwei Kriege um das Himalaya-Tal. (sda/dpa)


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