Jacques Piccards Tiefseerekord gebrochen

REKORD ⋅ Der Tiefseetauchrekord des Schweizer Ozeanografen Jacques Piccard ist möglicherweise Geschichte. Der US-Investor Victor Vescovo will im Marianengraben 10'928 Meter tief getaucht sein, zwölf Meter tiefer als Piccard vor knapp 60 Jahren.

14. Mai 2019, 15:30

Vescovo berichtete am Montag in New York davon, dass er mehrmals in den Marianengraben im Pazifik getaucht sei, unter anderem 10'928 und 10'927 Meter tief. Diese Tiefe mag zwar noch unerforscht sein, aber sie ist laut dem Investor bereits vermüllt-

Während einer der Touren habe er "zwei Stücke menschlichen Mülls" gefunden, so Vescovo. "Es ist nicht ganz klar, was es war, aber es war sicher von Menschenhand gemacht", sagte der 53-Jährige im Explorers Club in New York. Als er mit seinem Spezial-U-Boot auf dem Grund des Marianengrabens unterwegs gewesen sei, habe er einen Gegenstand gesehen, der nicht natürlich aussah, sondern "scharfe Kanten" hatte.

In solchen Tiefen auf Müll wie Plastikteile zu stossen, sei auf jeden Fall realistisch, sagte Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Ähnliche Funde im Marianengraben habe es bereits zuvor gegeben.

"Es ist bekannt, dass in der Region, nicht nur im Marianengraben selbst, sondern in diesem Teil des Pazifiks, auch durchaus Müll in der Tiefsee zu finden ist", sagte die Biologin. Mikroplastik sei dort auch schon nachgewiesen worden. Plastik sei in der Tiefe generell keine Seltenheit. "Das beobachten wir in der Arktis auch - mit steigender Tendenz."

Ein Ozean ist kein Mülleimer

Vescovo sagte auch, dass es bei seinen Missionen, die für eine Fernseh-Dokumentation aufgezeichnet wurden, schwer gewesen sei, dem Müll unter Wasser zu entgehen: "Hoffentlich bringt es mehr Bewusstsein dafür, was wir in den Ozeanen tun. Das ist kein grosser Mülleimer und wir sollten sie mit ein bisschen mehr Respekt behandeln."

Der Mensch plant Marsmissionen, schickt Raumsonden ins All, doch die Tiefsee - flächenmässig der grösste Lebensraum der Erde - ist weitgehend unbekannt. Über die Tiefen der Ozeane wissen wir weniger als über so manchen weit entfernten Himmelskörper. Gemäss Schätzungen könnte es noch Millionen unbekannte Arten in der Tiefsee geben, erst seit einigen Jahrzehnten ist überhaupt bekannt, dass es dort Orte gibt, an denen Lebewesen ähnlich dicht und üppig wachsen wie in den Tropen. (sda/dpa)


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