Ein Toter bei Bluttat in Innsbruck

ÖSTERREICH ⋅ Nach dem besonders grausamen Verbrechen in einer Innsbrucker Wohnung mit einem Toten haben die Ermittler am Donnerstag den möglichen Hintergrund der Tat bekanntgegeben. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat Untersuchungshaft für drei Tatverdächtige beantragt.

11. April 2019, 14:51

Die Untersuchungsbehörden vermuten einen sexuellen Übergriff des Opfers auf eine Frau. Das Opfer ist ein 28-jährigen Pakistaner. Als hauptverdächtig gilt ein 22-jähriger Inder, der Inhaber der Wohnung, wie der Chefermittler Walter Pupp an einer Medienkonferenz ausführte.

Die vier Beteiligten hatten sich laut bisherigen Erkenntnisstand und deren eigenen Aussagen in der Nacht auf Mittwoch in der Wohnung des 22-Jährigen im Stadtteil Wilten befunden. Dabei sei "sehr reichlich Alkohol" konsumiert worden. Gegen 3 Uhr dürfte es schliesslich zur Eskalation gekommen sein.

Der Inder hatte sich gerade laut eigenen Angaben auf der Toilette befunden, als er plötzlich einen Hilferuf einer der Frauen hörte. Als er die Toilette verliess, stellte er offenbar fest, dass das spätere Opfer mit einem rund 20 Zentimeter langen Küchenmesser, der Tatwaffe, im Raum stand und offenbar einen Übergriff auf eine der beiden Frauen verübt hatte - nach Angaben des Tatverdächtigen auf seine Freundin, eine 20-jährige Italienerin indischer Abstammung.

Daraufhin habe er den 28-Jährigen zur Rede gestellt, so die Angaben des Inders. Es sei zu einem Handgemenge gekommen, infolge dessen der Pakistaner gestürzt sei und sich dabei das Messer in die Brust gerammt habe.

Kehle durchschnitten und Hand abgetrennt

Dann habe der Inder "aus blinder Wut" wegen des angeblichen Übergriffs mehrfach auf den 28-Jährigen eingestochen, ihm die Kehle durchschnitten sowie die rechte Hand abgetrennt. Letzteres offensichtlich deshalb, weil der Pakistaner mit dieser den Übergriff bzw. die unsittliche Berührung der Frau begangen habe, schilderte Pupp.

Der LKA-Chefermittler betonte, dass es noch Unklarheiten über den genauen Tathergang gebe. Ein sexueller Übergriff - auch beider Männer auf die Frauen vor der Tat - stehe im Raum, es gebe aber teils widersprüchliche Aussagen der Beteiligten. "In Grundzügen gehen wir aber davon aus, dass es so gewesen ist", schenkte man den Aussagen des Hauptverdächtigen offenbar grossteils Glauben.

Es gebe überdies derzeit keine Hinweise darauf, dass die beiden Frauen - neben der 20-Jährigen deren beste Freundin, eine 21-jährige, in Südtirol lebende Inderin - an der Tötung beteiligt waren.

Opfer und möglicher Täter hätten sich jedenfalls gekannt, so Pupp. Der Pakistaner war wiederum für die örtlichen Behörden kein Unbekannter: Es handelte sich um einen verurteilten Sexualstraftäter. Dies hatte die Tageszeitung "Österreich" bereits am Mittwoch online berichtet. LKA-Chef Pupp betonte, dies deshalb am Vortag auf Anfrage nicht bestätigt zu haben, weil man noch nicht über einen gesicherten Personendatensatz verfügt habe.

Der Pakistaner beging laut Pupp im Jahr 2014 unter anderem rund ein Dutzend tatsächliche und versuchte Übergriffe auf Frauen auf offener Strasse in Innsbruck. Aufgrund dessen fasste er eine fünfjährige Haftstrafe, wurde aber nach drei Jahren aus dem Gefängnis entlassen. (sda/apa)


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