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Vitznau

Neuer Ort für Kammermusik kommt auf leisen Sohlen

Der österreichische Investor und Musikliebhaber Peter Pühringer hat in Vitznau einen Konzertsaal für Kammermusik in den Boden bauen lassen. Die 35-Millionen-Franken-Investition soll seinen Hotels am Vierwaldstättersee mehr Auslastung bringen, die Eröffnung erfolgte ohne Paukenschlag.
Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER

Pühringers Stiftung steht hinter dem Park Hotel und dem Hotel "Das Morgen" in Vitznau sowie dem Hotel Hertenstein. Neben der Hotellerie ist die Stiftung auch im Bereich der Neurologie aktiv, etwa mit zwei Reha-Kliniken für Menschen mit Hirnschlägen, die ihre Kur in den Suiten der Hotels verbringen.

Damit, sagte Urs Langenegger, der für die Hotels verantwortlich ist, habe man die Auslastung der Häuser steigern können. Zudem sei das Engagement in jenem Gesundheitsbereich ein persönliches Anliegen der Familie Pühringer.

Das Bauwerk, das Langenegger am Donnerstag den Medienschaffenden zeigen konnte, sei ebenfalls eine Herzensangelegenheit des Stifters: Gleich neben dem Hotel "Das Morgen" im Dorfzentrum von Vitznau liess er zwischen bestehenden Häusern einen unterirdischen Konzertsaal mit 279 Sitzplätzen 18 Meter tief in den Boden hinein bauen.

Die Vorgabe: Eine "perfekte Akustik" für Kammermusik und Chorgesang. Für die Anwesenden spielt ein Cellist das Preludium von Bach in C-Dur. Der Saal hat 44 beweglichen Akustik-Paneele, mit denen die Nachhallzeit zwischen 0,8 bis 1,7 Sekunden verändert werden kann. Der Klang ist modulierbar von trockener bis hin zu leicht hallender Akustik.

Musikschulen spielen auf

Den allerersten Auftritt im Saal, der noch neu riecht, hatten am Vortag aber nicht etwa Weltstars, sondern die Musikschulen der Seegemeinden. Vor der Spiegelgesäumten Eingangsrampe, von wo der Blick direkt auf den See schweift, dreht ein Ochs am Spiess zum Eröffnungswochenende.

Man pflege, wie schon bei der Übernahme der Hotels, eine "leise Eröffnung" ohne Paukenschlag, sagt Langenegger. Vorerst biete man in erster Linie einen Konzertsaal an und setzte auf die Partnerschaft mit Veranstaltern wie den Rigi Musiktagen, der Rachmaninoff-Stiftung in Hertenstein oder Andermatt Swiss Alps.

Ziel sei es, an 30 Wochenenden pro Jahr Musikanlässe zu beherbergen. Dadurch soll der Tourismus ausserhalb der Saison angekurbelt werden. Auch ein eigenes Festival könnte es in Zukunft geben, eine eigene Intendanz sei aber nicht vorgesehen. "Unser Background erlaubt es uns, uns Zeit zu nehmen", sagt Langenegger.

Kultur sei an den Gestaden des Vierwaldstättersees schon immer ein Thema gewesen. Der Saal sei eine Ergänzung des bestehenden Angebots und ermögliche es, "Kultur aufs Land zu bringen".

Der Saal ist Teil es Campus Kultur Kulinarik Vitznau, zu dem auch das Hotel "Das Morgen" gehört. Mit seinen zwei Balkonen und den goldenen Wänden ist er multifunktional. Mit dem mechanischen Hebeboden kann er zu einem flachen Bankett- oder Tanzsaal umfunktioniert werden. So sei er bereits gebucht für Generalversammlungen, Dinners und Präsentationen. (sda)

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