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Apropos

Sündenfall

Kann man sich sprachlich von der Bibel verabschieden?

Ein Leser hat mich dieser Tage dafür kritisiert, dass ich den Begriff Sündenfall verwendet habe, ohne das in der Genesis damit umrissene Ereignis gemeint zu haben. Vielmehr spielte ich auf einen umstrittenen Kredit an, der in Luzern an die Urne kommt. In anderen Bereichen habe ich relativ schmerzfrei Abschied nehmen können von Wörtern, bei deren Verwendung sich andere unwohl fühlen. Doch ohne Bibelzitate würde es schwierig, überhaupt noch schreiben zu können. Dazu folgendes Beispiel:

Schon länger war mir Thomas ein Dorn im Auge. Nun habe ich ihn auf Herz und Nieren geprüft, wobei ich zuerst auf keinen grünen Zweig kam. Denn er wusch seine Hände in Unschuld, sprach höchstens von Jugendsünden, keinesfalls von einem Sündenfall. Die Be­hörden und er seien ja ein Herz und eine Seele. Doch dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich hätte Gift und Galle spucken können: Thomas tritt das Gesetz derart mit Füssen, dass einem die Haare zu Berge stehen. Ich gebe dir das mit Brief und Siegel: Thomas ist ein Wolf im Schafspelz.

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