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Gastkommentar

Replik auf die Kritik an der Literatursendung des SRF: Die Vielfalt macht den «Literaturclub» aus

Letzte Woche monierten Schweizer Schriftsteller und die hiesige Buchbranche, das im «Literaturclub» des Schweizer Fernsehens zu wenige Schweizer Autoren besprochen werden. Nun antwortet Moderatorin Nicola Steiner mit einer Replik.

Schweizer Literatur hat im «Literaturclub» einen festen Platz. Zu dieser Aussage stehe ich als Moderatorin der Sendung – und die Zahlen bestätigen dies. Seit Anfang 2019, das heisst in den letzten 33 Sendungen, haben wir im «Literaturclub» 32 Schweizer Titel besprochen. Mindestens jedes fünfte Buch in der Sendung stammt aus der Feder einer Schweizer Autorin, eines Schweizer Autors. Das ist ein respektabler Wert angesichts der Vielfalt, die wir berücksichtigen: Weltliteratur, Bestseller, Nobelpreisträger, Debüts, Entdeckungen und Perlen, Klassiker, natürlich Schweizer Titel, und immer wieder blicken wir auch aus der Belletristik hinaus in andere Genres.

Darüber hinaus begrüssen wir regelmässig Schweizer Autorinnen und Autoren als Gäste im «Literaturclub». Aus zahlreichen Zuschriften wissen wir, dass diese Vielfalt unseren Zuschauerinnen und Zuschauern wichtig ist. Wir machen den «Literaturclub» für ein Publikum, das die Debatte über Bücher schätzt und Leseanregungen sucht.

Dabei trifft die Redaktion die Buchauswahl nicht im Alleingang. Seit über 30 Jahren gehört es zum Konzept der Sendung, dass die Kritikerinnen und Kritiker «ihre» Titel mitbringen. Sie wählen jeweils ein Buch aus, das ihnen relevant erscheint und das sie mit Herzblut in der Sendung verteidigen möchten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer melden sich übrigens Monat für Monat mit Lob, Kritik, Anregungen oder Empfehlungen bei mir. Dass es im «Literaturclub» zu wenig Schweizer Literatur gebe, ist dabei so gut wie kein Thema.

Hingegen höre ich oft die Frage, was uns Literatur über unsere Zeit sagen könne. Und so schliesst sich der Bogen zum aussergewöhnlichen Jahr 2022, denn in diesen Zeiten hat auch der Krieg in der Ukraine einen Einfluss auf die Buchauswahl unseres Kritikerteams. In mehreren Sendungen haben wir Bücher rund um das Thema Krieg besprochen und uns gefragt, was die Literatur zu unserem Verständnis der aktuellen Ereignisse beitragen kann. Es wird, so hoffe ich, und das nicht nur für den «Literaturclub», auch wieder Zeiten geben, in denen wir weniger über aktuelle Krisen diskutieren werden.

In diesem Zusammenhang ist es mir wichtig, auf unser gesamtes Literaturprogramm aufmerksam zu machen. In zahlreichen Sendungen bei SRF wird regelmässig Literatur abgebildet und es kommen Literaturschaffende zu Wort – nicht nur in den Literatursendungen, sondern beispielsweise auch in den «Sternstunden» oder im «Kontext», in Informationssendungen im TV und im Radio, in der SRF-News-App, online oder auf unseren Social-Media-Kanälen. Seit Frühjahr 2022 senden wir digital und linear den neuen Podcast «Literaturclub: Zwei mit Buch». Dort besprechen wir eingehend belletristische Neuerscheinungen, darunter auch immer wieder Schweizer Titel.

Einmal im Monat publizieren wir die neu ins Leben gerufene «SRF-Bestenliste», für die über 50 Buchmenschen aus der Schweiz abstimmen. Hier sind die Schweizer Titel besonders präsent. In der kommenden Oktober-Ausgabe, die am Freitag, 30. September, veröffentlicht wird, sind beispielsweise vier von fünf Plätzen mit Schweizer Romanen besetzt. Als Wegweiser durch die Schweizer Gegenwartsliteratur bauen wir seit Jahren die Autorenplattform «Ansichten» (srf.ch/ansichten) aus, auf der inzwischen über 180 Autorinnen und Autoren aus der ganzen Schweiz, deren Werke sowie Perlen aus dem Radio- und TV-Archiv vorgestellt werden.

Das alles zeigt: Schweizer Literatur hat bei SRF einen hohen Stellenwert und eine grosse Sichtbarkeit – im ganzen Haus und auch im «Literaturclub». In der nächsten Ausgabe vom Dienstag, 11. Oktober, besprechen wir übrigens zwei Schweizer Bücher: Unser Gast, der Schriftsteller und Liedermacher Linard Bardill, bringt «Lucifer» von Gion Mathias Cavelty in die Sendung mit. Und unser Kritiker Philipp Tingler hat den neuen Roman von Thomas Hürlimann ausgewählt – das hoffentlich auch zur Freude unseres Publikums.

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