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ESC

Nach der überzeugenden Final-Qualifikation: Die Schweiz will mit
Remo Forrer in die Top Ten. 

Der Musiker, Produzent und Komponist Pele Loriano ist der
Mr. Eurovision der Schweiz und Vater der Erfolgsserie. In diesem Jahr hat er gleich zwei Eisen im Feuer. 

Der Architekt des Erfolgs: Pele Loriano.
Bild: Zvg

Die Erfolgsserie der Schweiz beim Eurovision Song Contest geht weiter. Mit einem beherzten Auftritt hat der Toggenburger Remo Forrer mit «Watergun» den Einzug ins grosse Finale am Samstag in Liverpool mehr als verdient. Stimmlich war er einer der Besten und auch punkto Show konnte die Schweizer Delegation im Vergleich mit den letzten beiden Jahren zulegen. Zum vierten Mal hintereinander hat die Schweiz damit das ESC-Finale erreicht. Nach Jahren der Schlappen, Flops und Demütigungen hätte man so etwas hierzulande noch vor kurzem kaum für möglich gehalten.

So etwas wie der Vater des Erfolgs, der Architekt und tragende Figur, ist der Musiker, Produzent und Songschreiber Pele Loriano. Seit 2014 ist er von SRF auf Mandatsbasis als sogenannter A&R für den Eurovision Song Contest zuständig. Als solcher ist er das Bindeglied zwischen Künstler und dem Song. Seine Aufgabe ist es, geeignete Talente wie Remo Forrer zu entdecken und dafür zu sorgen, dass sie eurovisionstaugliche Songs erhalten.

Nach dem gelungenen Auftritt im Halbfinal ist er euphorisch. Der Finaleinzug war nicht selbstverständlich, weil es im Halbfinal, im Gegensatz zum Finale, keine Expertenjury gab und die Schweiz mit dem unberechenbaren Publikum immer wieder schlechte Erfahrungen gemacht hat. «Das Publikum haben wir mit Emotionen geholt», meldet er aus Liverpool, «jetzt kommt der einfachere Teil: Die Jury überzeugen wir mit dem Song, der Stimme und der Bühnenshow. Alles einfach nochmals eine Schippe grösser und intensiver. Wir wollen in die Top Ten».

Das ist nicht unmöglich, denn mit Schweden, Finnland, Norwegen und Israel waren alle grossen Favoriten im gleichen Halbfinal wie Remo Forrer. Loriano schätzt den zweiten Halbfinal, der am Donnerstag stattfindet, denn auch als wesentlich schlechter ein. Und bei den Wetten ist «Watergun» nach dem gelungenen Auftritt im Aufwind und liegt auf dem 13. Platz. In Sichtdistanz zu den Konkurrenten.

Zum ersten Mal hat Loriano 2010 mit Michael von der Heide Eurovisionsluft geschnuppert. Mit mässigem Erfolg. Doch den Eurovision-Virus ist er nicht mehr losgeworden. Entscheidend in der jüngeren Geschichte der Schweiz am ESC ist das sogenannte Songwriting Camp, das auf Initiative der Suisa Foundation 2017 entstanden ist. Unter der Leitung von Loriano erarbeiten hier, in den Powerplay Studios in Maur, ausgewählte Künstler mit ausgewählten internationalen Komponisten in Teams eine Reihe von Songs. Loriano fungiert als eine Art Executive Producer, stellt verschiedene Kompositionsteams zusammen, betreut sie und gibt Inputs und Feedback, schreibt aber nicht selber. Mit Loriano und den Camps ist die Schweiz nach Jahren der Niederlagen wieder auf die Erfolgsstrasse eingeschwenkt. Loriano ist der Mr. Eurovision der Schweiz.

Pele Loriano ist 1969 in Winterthur geboren, studierte Musik in Los Angeles, spielte nach seine Rückkehr in die Schweiz unter anderem zehn Jahre als Gitarrist und Komponist in der Band von Sina. Daneben arbeitete er als Produzent, war musikalischer Direktor bei «The Voice Of Switzerland» und der TV-Sendung «100 % Schweizer Musik».

Die Interpretinnen und Interpreten stehen im Scheinwerferlicht, Loriano wirkt im Hintergrund. «Ich scheue das Rampenlicht nicht, doch hier arbeite ich im Schatten. Meine Position empfinde ich als recht angenehm», sagt er dazu.

Pele Loriano 2008 als Gitarrist in der Band der Walliser Sängerin Sina.
Bild: Peter Larson / FRI

Sein Song für Österreich ist im Favoritenkreis

Dabei ist er nicht nur für die Schweiz tätig. Als A&R, Produzent oder Komponist wirkte er auch schon für Länder wie Deutschland, Litauen, Grossbritannien und zwei Mal für Österreich. Inzwischen war er an so vielen Eurovision-Songs aktiv beteiligt, dass er nicht einmal genau weiss, wie viele es sind. «Zwischen 10 und 15 Songs sind es schon», schätzt er.

Und in diesem Jahr hat Loriano sogar zwei Eisen im Feuer. Als A&R für den ORF hat er den österreichischen Beitrag «Who The Hell Is Edgar?» des Duos Teya & Salena mitkomponiert. Der Klamauk-Song wird im erweiterten Favoritenkreis noch knapp vor der Schweiz gehandelt und ist im zweiten Halbfinal sogar top gesetzt ist. Die Chance ist also gross, dass Loriano im Finale zwei Songs die Daumen drückt.

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