Papst wirbt für Kultur des Miteinander

PAPST IN AFRIKA ⋅ Bei einer Messe mit rund einer Million Gläubigen in Madagaskar hat Papst Franziskus vor sozialer Ausgrenzung und der Instrumentalisierung von Religionen und Volkszugehörigkeiten für egoistische Zwecke gewarnt.

08. September 2019, 13:25

Auf der zweiten Etappe seiner Afrikareise warb das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag für eine Kultur des Miteinanders. Das Leid der Menschen sei nicht Gottes Plan, sagte er auf einer nördlich der Hauptstadt Antananarivo gelegenen Freifläche.

Wer Gottes Namen oder Religion missbrauche, "um Akte der Gewalt, der Spaltung und sogar des Mordens, der Verbannung, des Terrorismus und der Ausgrenzung" zu rechtfertigen, handle nicht in christlichem Sinne.

"Wenn die "Verwandtschaft" zum entscheidenden und massgeblichen Schlüssel all dessen wird, was richtig und gut ist, führt dies schliesslich dazu, dass einige Verhaltensweisen gerechtfertigt oder sogar "für heilig erklärt" werden, die zu einer Kultur des Privilegs und des Exklusivismus führen" erklärte er. Es sei die Versuchung, sich in seine eigene kleine Welt zu verschliessen, die wenig Raum für andere lasse.

Eine Million Gläubige an Messe

Nach Vatikan-Angaben waren trotz windig-kühlen Wetters seit dem Vorabend rund eine Million Menschen zum Freigelände auf dem Diözesanzentrum von Soamandrakizay geströmt. Singend, tanzend und zum Teil in bunte Gewänder gekleidet feierten sie mit Vatikan-Fähnchen in der Hand die Sonntagsmesse mit dem Papst.

Zum Auftakt seines zweitägigen Besuchs in dem Inselstaat vor Afrikas Südost-Küste hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Vortag unter anderem Präsident Andry Rajoelina sowie Bischöfe und Vertreter der Zivilgesellschaft getroffen und in einem Karmelitinnenkloster zu Mut und Zivilcourage aufgefordert: "Es sind die kleinen Schritte, die wichtig sind; die kleinen Schritte helfen, die Welt zu retten."

Die Führung der Insel-Republik ermunterte er zu einer alle Teile der Bevölkerung einschliessenden nachhaltigen Entwicklung.

Franziskus war am Freitag aus Mosambik kommend auf Madagaskar eingetroffen. Er besucht erstmals während seines Pontifikats Mosambik, Madagaskar und Mauritius. Zentrale Themen sind die Armut, Zerstörung der Umwelt, Konflikte und Korruption.

In Madagaskar sind 35 Prozent der 26 Millionen Einwohner katholisch. Im weiteren Verlauf des Besuchs waren am Sonntag gemeinsame Gebete mit Arbeitern geplant. (sda/dpa)


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