"Open Arms" befürchtet schlechteres Wetter

FLÜCHTLINGE ⋅ Der Besatzung des spanisches Rettungsschiffs "Open Arms" bangt vor einer Verschlechterung der Wetterlage im Mittelmeer in den nächsten Tagen. Der Kapitän appellierte deshalb an Spanien, wenigstens die minderjährigen Flüchtlinge aufzunehmen.

Aktualisiert: 
13.08.2019, 14:09
13. August 2019, 11:34

Kapitän Marc Reig rief die spanische Botschaft auf Malta zur Aufnahme der 31 minderjährigen Flüchtlinge an Bord des Schiffes auf. Diese hätten das Recht auf sofortige Landung und könnten nicht abgeschoben werden, sagte der Kapitän nach Angaben italienischer Medien.

Die Besatzung der "Open Arms" mit 151 Flüchtlingen an Bord wartet seit zwölf Tagen auf eine Landeerlaubnis. Die NGO beklagte das "schandhafte Schweigen Europas". An Bord der "Open Arms" und der "Ocean Viking", den von SOS Mediterranèe und Ärzte ohne Grenzen (MSF) betriebenen Rettungsschiffen, warten insgesamt 501 Migranten auf die Landung.

Tripolis kein sicherer Hafen

Nach Angaben des italienische Innenministeriums soll Libyen dem Kapitän der "Ocean Viking" Tripolis als "sicheren Hafen" für die Landung der 350 Migranten an Bord des Schiffes angegeben haben. Dem Kapitän habe man Kontakte in Tripolis zur Organisation der Landung geliefert.

Das Uno-Flüchtlingswerk UNHCR sprach sich jedoch dagegen aus, dass die Flüchtlinge nach Libyen zurückgebracht würden. Angesicht der Kämpfe und der systematischen Menschenrechtsverletzungen könne Libyen nicht als sicheren Haften betrachtet werden, betonte Vincent Cochetel, UNHCR-Sondergesandter für das zentrale Mittelmeer.

Cochetel warnte in einer Mitteilung vom Dienstagausserdem vor einer Verschlechterung der Wetterlage im Mittelmeer. Die Flüchtlinge weiterhin an Bord der Schiffe zu halten, bedeute, ihnen zusätzliches Leid zuzufügen. Die sofortige Landung der Schiffe in einem sicheren Land müsse sofort gewährleistet werden.

Auch EU untätig

Die EU-Kommission teilte mit, sie habe bisher von keinem Mitgliedsstaat eine förmliche Anfrage erhalten, die Koordinierung für eine europäische Lösung einzuleiten. Lediglich EU-Parlamentspräsident David Maria Sassoli hatte am vergangenen Freitag in einem Brief die Staaten der Union zu einer fairen Verteilung der "Open Arms"-Seeflüchtlinge aufgerufen.

Italien und Malta verweigern Rettungsschiffen immer wieder die Einfahrt in ihre Häfen und dringen darauf, dass andere EU-Staaten im Vorfeld zusichern, alle anlandenden Flüchtlinge zu übernehmen. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bisher 41'182 Migranten auf dem Seeweg nach Europa gelangt, weit weniger als in den drei vergangenen Jahren.

Mindestens 843 Menschen kamen in diesem Jahr bisher ums Leben, im Gesamtjahr 2018 waren es 2299, im Jahr 2017 waren es 3139. (sda/apa)


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