Justiz erhebt Anklage gegen Kurienbischof

ARGENTINIEN ⋅ Die Staatsanwaltschaft in Argentinien hat nach monatelangen Ermittlungen Anklage wegen sexuellen Missbrauchs gegen den ehemaligen Bischof von Oran, Gustavo Zanchetta (55), erhoben.

08. Juni 2019, 14:18

Wie die Zeitung "El Tribuno" am Freitag (Ortszeit) laut Kathpress berichtete, darf der Geistliche sein Heimatland bis auf Weiteres nicht verlassen. Zudem seien psychologische Gutachten angeordnet worden.

Der Beschuldigte habe sich bei einer Anhörung in der Provinz Salta geweigert, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen, hiess es. Zanchetta war in einer der ersten Personalentscheidungen von Papst Franziskus im Juli 2013 zum Bischof von Oran ernannt worden.

Zurzeit beurlaubt

Nachdem er im August 2017 die Diözesanleitung abgab, berief der Papst ihn im Dezember desselben Jahres auf den eigens geschaffenen Posten eines Assessors in der Güterverwaltung, dem Schatzamt des Heiligen Stuhls. Wegen der Missbrauchsvorwürfe ist Zanchetta derzeit beurlaubt.

Ende Mai sagte Franziskus in einem Interview mit einem mexikanischen Sender Televisa, dass er auch einen kirchenrechtlichen Strafprozess gegen den Kurienbischof für geboten halte. Entsprechende Ermittlungen seien bereits abgeschlossen. Die Kongregation für die Glaubenslehre werde für den Prozess zuständig sein.

Der Papst räumte in dem Interview ein, dass es schon vor Jahren Beschwerden gegen Zanchetta gegeben habe. Konkret sprach Franziskus gegenüber Televisa von einer Beschwerde 2015, in der es um verfängliche Bilder auf dem Smartphone des argentinischen Bischofs ging.

Er habe ihn damals "sofort" in den Vatikan zitiert, um darüber zu sprechen, berichtete der Papst. Zanchetta habe sich geschickt verteidigt und behauptet sein Telefon sei gehackt worden. Daher habe er zunächst - "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Angeklagten) entschieden, so Franziskus.

"Autoritäres Verhalten"

Mitte 2017 wurde Zanchetta als Bischof von Oran abberufen. Als ursprünglichen Grund für den Rücktritt Zanchettas gab Vatikansprecher Alessandro Gisotti im vergangenen Januar Probleme mit dem örtlichen Klerus an. Dem Bischof sei damals autoritäres Verhalten vorgeworfen worden, aber es habe "keine einzige Anschuldigung sexuellen Missbrauchs" gegeben, so Gisotti zu Jahresbeginn 2019.

Gleichzeitig bestätigte er damals, dass die neue Leitung der Diözese Oran nach Bekanntwerden von Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs gegen Zanchetta Zeugenaussagen gesammelt habe. Diese seien der Bischofskongregation in Rom zugeleitet worden und der Vatikan habe eine Voruntersuchung aufgenommen. (sda/apa)


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