«Schwyz, natürlich!»

«Victorinox ist überall»

14. Juni 2019, 00:00

«Z Schwyz, z Schwyz, z Schwyz Zwitscheret d Sunnä as Zyt Und wenn si de z Schwyz Nümmä mag g sunnä De schiint si äs bizzäli z Brunnä!»

Diesen Spruch rezitierte meine Mutter über die Jahre bis zu ihrem Tod immer wieder. Ich sehe sie noch, wie sie «listig» strahlte, wenn sie uns den Zungenbrecher erneut als Geheimnis servierte. Sie stammte aus dem Muotathal. In meiner Kindheit gab es für mich keine Zweifel, alle «Muätis» mussten aus dem «Muätital» stammen, daher dessen Name! Das Erwachen war ähnlich dramatisch wie die Entlarvung des Osterhasen als «Schoggiplausch» vom Café Haug, des «Samichlaus» als eine Erziehungsmethode, um uns Kindern Angst und Schrecken vor dem Allwissenden einzujagen, der alle unsere Sünden kannte (was heute durch Google und Facebook ersetzt wurde), als Topper entpuppte sich dann auch noch das «Chrischtkindli» als reine Illusion!

Als wir erst von Ibach nach Brunnen, und dann später von dort in den Aargau umzogen, trieb das Heimweh unser «Muäti» regelmässig hinauf in den Estrich unseres Hauses. Dort schaute sie sehnsüchtig durch das kleine Guckloch hinaus gegen die Innerschweiz. Sie behauptete, sie sähe von dort bei gutem Föhn die Mythen!

Hier in den USA gibt es kein «Muätital», auch keine Mythen, «Gummel» oder «Chräpfli»! Aber Victorinox-Produkte sind überall anzutreffen! Das sind für mich nicht nur Kindheitserinnerungen, sondern Realitäten aus unserer Küche. Da liegt ein ganzes Sortiment der Mythen-Messer gut geschliffen immer bereit zur «Mise en Place». All die Swiss Army Knifes in verschiedenen Grössen und Ausführungen in diversen Schubladen gibt es natürlich ebenfalls.

Ein direkter Blick von Hollywood nach Schwyz war vor vielen Jahren mein Meinrad-Inglin-Film «Der schwarze Tanner». Dies war mein erster offiziell von der Schweiz als Beitrag für die Oscars ausgewählter Film, es folgten dann noch drei andere! Zwar wurde er nicht ausgezeichnet, aber Spuren hat er hier hinterlassen. Gedreht hatten wir ihn zu einem grossen Teil in der Umgebung von Schwyz, auf dem alten Areal der Victorinox und im «Muätital». Bis heute hat die Familie Elsener viele meiner Filme mit Beiträgen beglückt. Auch mein Oscar-Film «Reise der Hoffnung» ist tief mit Schwyz verbunden! Dafür bin ich allen sehr dankbar.

Xavier Koller

Der Filmregisseur und Drehbuchautor ist in Ibach geboren. Nach seiner Lehre als Feinmechaniker besuchte er die Schauspielakademie Zürich und arbeitete dann einige Jahre als Schauspieler. Seit 1991 lebt der 75-Jährige in Los Angeles.


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