Statt zur Schule ins Casino

Die Zimmer sind verdunkelt, fein gekleidete Gestalten drängen sich um den Roulettetisch und starren gebannt auf die Drehscheibe: Es ist Casinomorgen in der Primarschule Gommiswald.

  • Roulette ist besonders bei den jüngeren beliebt.
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Gommiswald. – Ein paar Jungs sitzen am Pokertisch, sie haben sich herausgeputzt, um für die richtige Casinostimmung zu sorgen. Alle tragen Hemden, einige sogar einen Anzug und Kravatte. «Ja chasch ja ‘All In’ mache, wennd wettsch», «Spinnsch, das riskieri sicher nöd», tönt es aus einer Ecke des Tisches.
Für das perfekte Pokerface tragen viele Spieler Sonnenbrillen in dem dunklen Raum, der normalerweise ihr Klassenzimmer ist. Jetzt erinnern nur einige herumliegende Lehrmittel an den Schulalltag. Und auch die Schüler sind wie verwandelt, und wirken erwachsen, während sie mit gerunzelter Stirn in ihre Karten blicken.
Einzig den Jüngeren fällt es schwer, sich nicht durchschauen zu lassen. Von ihnen hört man Freudenschreie nachdem die Karten verteilt sind. Und wenn das Blatt nicht gut ist, zappeln sie auf ihren Stühlen herum wie kurz vor der Pause.

Projektwoche zum Thema Spiel

Der Casinomorgen ist Teil der Projektwoche zum Thema Spiel, welche diese Woche an der Primarschule und im Kindergarten Gommiswald stattfindet. Manuela Britt ist eine der vier Lehrerinnen und Lehrer, welche alles auf die Beine gestellt haben. «Die letzte Projektwoche hatten wir im Jahr 2007, deswegen war es dringend Zeit für eine Neue», erzählt sie. Die restlichen vier Tage stehen unter den Mottos Waldspiele, Spiele selber machen, Sportspiele und Brettspiele.
Im Schulcasino werden Black Jack, Roulette und Poker sowohl in der Originalversion als auch vereinfacht angeboten. Der Fünftklässler David Schmucki meint dazu: «Ich spiele beim richtigen Poker mit. Wenn man das Spiel mal begriffen hat, ist es kein Problem.»
Statt Spielchips werden im Schulcasino Böhnchen gesetzt, die am Ende des Morgens gegen Sugus eingetauscht werden können. Jeder startet mit 10 Böhnchen, wer alles verspielt hat, kann zur Bank gehen und bekommt ein neues Startgeld. Im Gegenzug muss er eine kleine Aufgabe erfüllen.
«Das Casino gehört einfach zur Welt der Spiele dazu», meint Manuela Britt. «Wir haben zum Einstieg einen Film übers Pokern gezeigt, über Spielsucht klären wir aber nicht auf». Das sei auch noch zu früh in der Primarschule, hier ginge es einfach darum, den Kindern verschiedene Spielformen näherzubringen. «Ich glaube aber, dass der Casinomorgen viele Kinder dazu animiert, sich Gedanken zum Thema Risiko zu machen».

Diskussionen rund ums Risiko

Joel Kählin aus der 4. Klasse hat bereits 72 Bohnen beim Roulette gewonnen. Seine Mitspieler raten ihm, auszusteigen und die Bohnen gegen Sugus einzutauschen: «So viele kriegst du nie mehr». Joel grinst und spielt weiter. Sonst müsste er schliesslich den Rest des Morgens zuschauen.
Das Spiel wechseln möchte er auch nicht, denn er sagt: «Beim Roulette läuft es gerade super, bei anderen Spielen wurde ich voll abgezockt und habe immer verloren». Andere Schüler sind vorsichtiger und setzen jeweils nur eine Bohne.
Begeistert sind aber alle. Schliesslich haben sie sich in der Vorbereitung grosse Mühe gegeben. «Einige Kinder sind extra um halb sieben aufgestanden, um sich herauszuputzen». Und auch die Lehrer spielen mit und tragen alle schwarz-weisse Kleider und Anzüge – bis am Mittag, wenn die Kinder nach Hause gehen, und das Casino wieder zum Schulhaus werden muss. (lar)

  • Quelle: suedostschweiz.ch
  • Datum: 25.04.2012 20:30 Uhr
  • Webcode: 34217
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