Vergewaltigung Emmen: Wer kennt einen Aron oder Aaron?

FALL EMMEN ⋅ Rund eineinhalb Jahre nach der verhängnisvollen Vergewaltigung wendet sich die Luzerner Staatsanwaltschaft mit einem Namen an die Öffentlichkeit. Die Hoffnung liegt aber auch in noch ausstehenden DNA-Proben.

Aktualisiert: 
13.02.2017, 20:00
13. Februar 2017, 09:09

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

«Das Netz ist ausgelegt, jetzt muss der Täter nur noch gefangen werden.» In der Aussage von Staatsanwalt Thomas Reitberger (45) steckt Optimismus. Und das, obwohl rund eineinhalb Jahre vergangen sind, seit in Emmen eine junge Frau vergewaltigt worden ist (siehe Box). Nichts liessen der zuständige Luzerner Staatsanwalt und die Polizei aus, um den Täter zu schnappen: Massen-DNA-Test mit 371 aufgebotenen Männern, 1863 detailliert ausgewertete Handydaten, drei vorübergehende Festnahmen.

Gestern nun hat die Luzerner Staatsanwaltschaft das Ermittlungsnetz um zwei weitere Maschen vergrössert. Gesucht wird nach einem Mann, der sich Aron oder Aaron nennt. «Nach der Tat hat der Täter eine Zigarette angezündet, kurz mit dem Opfer gesprochen und sich mit diesem Namen vorgestellt», sagt Reitberger. Dabei könne es sich auch um einen Künstler- oder Übernamen handeln. Zweitens hat die Staatsanwaltschaft die Belohnung für Hinweise verdoppelt, die zur Festnahme des Täters führen. Die Oberstaatsanwaltschaft hat einen Betrag von 20 000 Franken bewilligt. «Damit wollen wir den Anreiz erhöhen, sich bei uns zu melden», sagt Reitberger.  

Ermittler konnten mit Namen nichts anfangen

Warum haben die Behörden den Namen so lange zurückgehalten? Laut Reitberger hat das Opfer den Namen bei der Erstbefragung vor Ort genannt. Und diesen nach ein paar Monaten bestätigt. Den Namen habe man dann aus ermittlungstaktischen Gründen bis gestern zurückgehalten. Unter anderem, um den Täter im Zuge der übrigen Ermittlungen nicht zu warnen. Diese haben keinen Zusammenhang zwischen dem Namen und einer in einem Register geführten Person ergeben. Darum erhoffen sich die Ermittler jetzt Hinweise von Zeugen.

Das Opfer befindet sich nicht mehr in stationärer Behandlung. «Es geht ihr den Umständen entsprechend», sagt Reitberger. Die Anwältin der Frau will sich auf Anfrage nicht äussern, dies mit Verweis auf eine möglichst gute Genesung des Opfers.

Die Hoffnung der Staatsanwaltschaft beruht nun also auf Hinweisen über Männer, die Aron, Aaron oder ähnlich heissen oder sich so nennen, zur Tatzeit zwischen 19 und 25 Jahre alt waren, zwischen 170 und 180 cm gross und schlank sind. Der Mann hat eine eher dunkle Hautfarbe, schwarzbraune, kurze und dicke gekrauste Haare, war oder ist Raucher und sprach gebrochen Deutsch (Hinweise direkt an die Nummer 041 248 81 17 oder via E-Mail: info.polizei@lu.ch).

Gestern sind bereits rund 70 Hinweise eingegangen. Die Behörden sprechen Personen an, die jemanden kennen, der sich durch ein übersteigertes Interesse am Fall bemerkbar gemacht haben, anderweitig speziell aufgefallen sind oder unerwartet abgereist oder abgetaucht sind.

Rechtshilfe-Ersuchen: Warten auf drei Länder

Die zweite Hoffnung von Reitberger liegt im bereits gespannten, aber noch lückenhaften DNA-Netz. Noch immer fehlen Proben von sechs Männern; vier davon aus dem Massen-DNA-Test, zwei aus der Handydaten-Auswertung. Bei fünf Männern laufen noch immer Rechtshilfeersuchen. Bei einem wurde dieses noch nicht gestartet, da lückenlose Angaben zur Person fehlen.

Wenn einer dieser Männer sich eines Verbrechens schuldig macht, seine DNA in der internationalen Datenbank gespeichert wird und es eine Verbindung zum Emmer Fall gibt, werden die Luzerner Ermittler informiert. Bei drei Ländern laufen noch immer Rechtshilfeersuchen. In welchen, wird aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt.

Mit dem Täternamen hat die Luzerner Staatsanwaltschaft nun die letzte Information herausgegeben, die vom Opfer stammt und zum Täter führen könnte, wie Reitberger verrät. Noch immer arbeiten Ermittler am Fall. Mediensprecher Simon Kopp: «Wir wollen über alle Kanäle an mögliche Zeugen kommen. Darum haben wir Twitter und Facebook eingesetzt.»


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