Hafenkran-Umzug ans andere Rheinufer

HAFENKRAN ⋅ Ein ausrangierter Hafenkran aus dem 2010 aufgehobenen Basler Rheinhafen St. Johann wird gegenüber wieder aufgebaut. Die Arbeiten haben nun begonnen, nachdem Einsprachen abgewiesen und nicht weitergezogen worden waren.

Aktualisiert: 
17.07.2017, 17:43
17. Juli 2017, 13:35

Ab Donnerstag werden am Rheinufer die neuen Fundamente für den Kran gebaut, wie ein Novartis-Sprecher am Montag nach einem Bericht der "TagesWoche" sagte. Der Konzern schenkt der Stadt den stählernen grossen Kran mit Kabine, der bei der Aufhebung des Hafens St. Johann für den Novartis Campus nutzlos geworden war.

Das Ungetüm mit Baujahr 1970 soll am 28. August in Hüningen an den Rhein gekarrt werden. Per Schiff geht es dann zum anderen Ufer an den Klybeckquai - just vis-à-vis des neuen Campus-Restaurants unweit der Dreirosenbrücke. Fertig stehen soll er am 15. September. Der Umzug über den "Bach" kostet den Kran den standortabhängigen Denkmalstatus.

Sieben Jahre Dornröschenschlaf

Der Kran war nach der Hafenschliessung im Jahr 2010 demontiert und im nahen Elsass eingelagert worden. Die baselstädtische Regierung hatte im vergangenen Oktober angekündigt, nach dem Wiederaufbau solle er für die Bevölkerung begehbar werden. Ihr Plan war, den Kran für ein ganzjährig betriebenes Restaurant oder eine Bar zu nutzen.

Ob und wie Gastronomie den Kran beleben wird, ist jetzt jedoch wegen Widerständen aus der Nachbarschaft noch offen. Eine Ausschreibung für eine Betreiberschaft gab es laut dem Novartis-Specher nicht, da der Standort nicht auf der Allmend, sondern auf Boden der Schweizerischen Rheinhäfen liege. Interessierte hätten ein Konzept eingereicht, das nun diskutiert werde. Die Eröffnung sei wohl 2018 realistisch.

Auf dem Klybeck-Industrieareal, an dessen Uferseite der Kran nun montiert wird, soll indes ein neues Stadtquartier mit Gewerbeflächen und Wohnraum für etwa 10'000 neue Einwohner entstehen, wie im Mai bekannt geworden war. Novartis und BASF werden ihre Flächen dort künftig weniger oder gar nicht mehr für Industriezwecke benötigen.

Vor künftigem neuem Quartier

Auf ersten Testplanungen mit neuer Fussgänger-Rheinbrücke oder Freizeitboothafen ist der Kran indes nicht zu sehen. Laut dem Novartis-Sprecher hat dies wegen der Flughöhe dieser Pläne nichts zu bedeuten. Erst mit Bebauungsplänen wird die Arealzukunft konkret - diese zeigen dann, ob der Kran wider Erwarten im Weg steht.

Der Hafen St. Johann, wo der Kran einst stand, war 1906 bis 1911 für die Kohleanlieferung an das dortige Gaswerk erstellt worden. Die Kohlevergasung samt Verwertung anfallender Stoffe ist die Wiege der chemisch-pharmazeutischen Industrie und damit des heutigen Reichtums der Region Basel.

Was die Hafenkran-Geschichte kostet, gibt Novartis nicht bekannt. Sie ist indes im grösseren Kontext zu sehen: Die zur Fertigstellung der Autobahn-Nordtangente geplante Aufhebung des Hafens St. Johann ermöglicht hatte ein 2006 vom Parlament abgesegneter Deal.

Megadeal mit Novartis

Inklusive Umgebungs- und Strassen-Umgestaltungen sowie Baurechts-Entschädigungen an Hafenfirmen hatte der Kanton 156 Millionen Franken veranschlagt - zuzüglich Anpassungen im Hafen Klybeck für 22 Millionen. Novartis bezahlte 100 Millionen und erhielt Land im Wert von 45 Millionen Franken.

Für seinen Campus mit 2,5-Milliarden-Franken Investitionen, der erst nach 2020 fertig gestellt sein soll, durfte sich der Konzern 2009 übrigens auch die direkte Verbindungsstrasse von Basel nach Hüningen (F) einverleiben. Eine Ersatzroute für Fussgänger und Velos am Rheinufer ist wegen einer Altlastensanierung bis heute nicht fertig. (sda)


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