Sein Verein hütet die Geschichte der Region

AUSSERSCHWYZ ⋅ Seit Jahren erforscht Kilian Schättin die Stammbäume der Bürger in Ausserschwyz. Er steht einem Verein vor, der die regionale Geschichte bewahren und junge Menschen auf der Suche nach ihrer Identität unterstützen will. Heuer feiert er Jubiläum.

26. März 2017, 05:00

Eine Krankheit hat ihn zum angefressenen Familienforscher gemacht: Als Kilian Schättin im Alter von 30 Jahren merkt, dass er eine Sehbeeinträchtigung geerbt hat, macht er sich auf die Suche nach deren Ursprung. Er gräbt in den Archiven und stösst dabei auf Vorfahren mütterlicherseits, die am selben Leiden erkrankt sind. Auf diese Weise erfährt Schättin auch den Namen der Krankheit: Retinitis pigmentosa.

Geheilt ist Schättin deswegen nicht, dafür hat er eine neue Leidenschaft gefunden. Bei der Recherche lernt er einen Namensvetter kennen, der den Wunsch hat, die Familiengeschichte der Schättins niederzuschreiben. Er stirbt aber, bevor er den Plan umsetzen kann. Kilian Schättin erbt sein gesamtes Familienarchiv. Dank diesem konnte er den Stammbaum der Schättins bis ins 16. Jahrhundert nachzeichnen. Zu diesem Zeitpunkt hat ihn das Fieber der Ahnenforschung vollends gepackt. Mit Gleichgesinnten gründet er im Oktober 2007 den Verein für Familien- und Personenforschung March und Nachbar­regionen. «Unser Ziel ist es, uns auszutauschen und die altverbürgerten Geschlechter der Region zu dokumentieren.»

Datenbank: Bereits über 60 000 Personen erfasst

Schättin ist seit der Gründung Präsident des Vereins. In einer Datenbank werden alle Personen systematisch erfasst. Mittlerweile umfasst die Datei Fames über 60 000 Personen mit Bürgerort in einer der neun Marchgemeinden. Sie reicht bis ins Jahr 1650 zurück. Die Datenbank Fames, lateinisch für Hunger, ist benannt nach dem bekannten Lachner Genealogen Jakob Johann Hunger (1821–1901), der für praktisch alle Familien der March kunstvoll kolorierte Stammbäume erstellt hat.

Das gesammelte Wissen stellt der Verein Personen zur Verfügung, die Näheres über ihre Abstammung erfahren möchten. «Wer für mindestens drei Jahre Mitglied im Verein wird, hat seinen Stammbaum unentgeltlich zugute», sagt der 71-jährige Hobbyhistoriker. Nichtmitglieder ­erhalten gegen eine Gebühr ebenfalls Informationen über ihre Vorfahren. Gerade für junge Menschen könne der Stammbaum wichtige Aufschlüsse bringen: «In der heutigen Zeit der Patchworkfamilien dient die Kenntnis über seine Familiengeschichte auch der Identitätsfindung», ist Schättin überzeugt. Der Verein, der 141 Mitglieder zählt, sieht sich als Bewahrer der Geschichte in der Region. Zurzeit sind die Mitglieder daran, die Nachnamen des Bezirks Höfe zusammenzutragen, danach werden die Nachbarregionen folgen. Als Quellen benutzen die Familienforscher hauptsächlich das Staatsarchiv, die Bücher der Kirchgemeinden und der Genoss­samen. Die erstellten Stammbäume werden jeweils einmal pro Jahr in einer Ausstellung gezeigt.

Erstmals eine Ausstellung ausserhalb des Bezirks

Zum heurigen 10-Jahr-Jubiläum ist im Oktober eine Ausstellung in Pfäffikon geplant, die erste ausserhalb des Bezirks March. «Wir werden Stammbäume auf etwa 150 Metern Papier zeigen», sagt Schättin. Das zweite Standbein des Vereins ist die Sammlung von Leidhelgeli. Das Verteilen dieser Porträtfotos von Verstorbenen war früher ein verbreitetes Ritual, vergleichbar mit Geburtskärtchen von Babys. Über 8000 dieser ­Totenbildli haben Schättin und seine Mitstreiter bereits eingescannt. Sie sind darum bemüht, dass bei Haushaltsauflösungen Leidhelgeli, aber auch alte Urkunden oder Reisepässe nicht weg­geworfen werden.

 

Stephanie Zemp

 

Hinweis

Weitere Informationen finden Sie unter: www.verein-fpf.ch


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