Polizist bei Anschlag in Paris getötet

FRANKREICH ⋅ In Paris ist es auf dem Boulevard Champs-Elysées zu einer Schiesserei gekommen, bei der ein Beamter getötet wurde. Zwei weitere Polizisten wurden verletzt. Der Angreifer sei tot, hiess es aus Justizkreisen. Die Antiterrorstaatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Aktualisiert: 
20.04.2017, 23:43
20. April 2017, 21:51

Ein Auto sei am Donnerstagabend gegen 21 Uhr neben einem Polizeiwagen stehen geblieben, ein Insasse des Autos habe das Feuer eröffnet und einen Polizisten getötet, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Anschliessend habe er nach ersten Informationen versucht, zu Fuss zu fliehen, und habe dabei auf weitere Polizisten geschossen und zwei verletzt. Die Beamten hätten ihn niedergeschossen.

Der Ministeriumssprecher sagte, es sei noch zu früh, um etwas über das Motiv der Tat zu sagen. Während ein Insider sagte, ein Terroranschlag sei wahrscheinlich, sagten drei andere, es könne sich um einen versuchten Raub handeln. Kurze Zeit nach der Tat kam es in der Nähe der Champs-Elysées zu einer weiteren Schiesserei, wie aus Polizeikreisen verlautete.

Terrormiliz IS reagiert

Premierminister Bernard Cazeneuve beriet im Elysée-Palast mit Präsident François Hollande über die Lage. In Frankreich gilt nach einer beispiellosen Terrorserie der Ausnahmezustand.

Nach dem tödlichen Angriff auf Polizisten spricht nach den Worten des französischen Präsidenten François Hollande einiges für einen Terrorakt. "Wir sind überzeugt, dass die Spuren (...) terroristischer Art sind", sagte Hollande am späten Donnerstagabend nach dem Krisentreffen im Elysée-Palast.

Die Terrormiliz IS reklamierte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur afp den Angriff in Paris derweil für sich. Diese Informationen gingen aus dem IS-Propagandadienst Amaq hervor. Der Angriff sei von dem IS-Kämpfer "Abu Yussef der Belgier" verübt worden, teilte die Agentur Amaq am Donnerstag in einer Erklärung mit.

Champs-Elysées gesperrt

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Champs-Elysées komplett gesperrt wurden. Zahlreiche Polizisten waren vor Ort.

Die Zeitung "Le Figaro" berichtete, es habe einen zweiten Angreifer gegeben, der womöglich auf der Flucht sei. Das war aber noch nicht offiziell bestätigt.

Die Polizei hatte erst am Dienstag in Marseille zwei mutmassliche Islamisten festgenommen, in deren Wohnung ein Waffenarsenal versteckt war. Laut Anti-Terrorstaatsanwalt François Molins drohte ein Anschlag in den nächsten Tagen.

Die Sicherheitsmassnahmen wurden daraufhin verstärkt. Innenminister Matthias Fekl hatte bereits angekündigt, dass die Präsidentschaftswahl an diesem Sonntag von 50'000 Polizisten und Soldaten geschützt werden solle. Die entscheidende Stichwahl ist für den 7. Mai geplant.

Trotz der Terrorgefahr setzten die Kandidaten ihren Wahlkampf fort. Am Donnerstagabend traten die elf Kandidaten im Fernsehen nach einander zu Kurzinterviews auf.

Beim ersten Wahlgang wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Rechtspopulistin Marine Le Pen mit dem Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron erwartet. (sda/afp/dpa/reu)


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