Sehr geehrtes Redaktionsteam,
Anbei ein kurzer Leserbrief zur Familieninitiative. Über die Aufnahme
meiner Zeilen in eine Ihrer nächsten Ausgaben würde ich mich sehr freuen.
Mit herzlichem Dank und freundlichen Grüssen,
Karin Schwiter
*Wahlfreiheit für Familien*
In einem Punkt sind sich Befürworter- und Gegnerschaft der
Familieninitiative einig: Familien sollen selber entscheiden können, wie
sie ihre Kinder betreuen wollen. Die entscheidende Frage ist dabei:
Haben Familien diese Wahlfreiheit heute wirklich? Nach wie vor gibt es
viele Gemeinden ohne Kinderhort, ohne Mittagstisch und ohne
Tagesschulangebote. An anderen Orten sind die Betreuungsangebote so
teuer, dass es für Zweitverdienende billiger ist, daheim zu bleiben,
auch wenn sie gerne arbeiten gehen würden. Ist das Wahlfreiheit?
Bei uns in der Schweiz arbeiten die meisten Mütter Teilzeit. Wenn ihre
Kinder grösser werden, möchten viele ihr Erwerbspensum wieder etwas
erhöhen. Doch wo keine Kinderhorte und keine Tagesstrukturen an den
Schulen vorhanden sind, ist das oft gar nicht möglich. Wie eine Erhebung
des Bundesamts für Statistik ergeben hat, gab 2012 jede sechste
teilzeitbeschäftigte Frau an, wie möchte gerne mehr arbeiten. Auf die
ganze Schweiz gerechnet sind das 200'000 Frauen - ein enormes
Arbeitskräftepotenzial, das heute in der Schweiz brach liegt, während in
vielen Branchen Fachkräfte fehlen und aus dem Ausland rekrutiert werden
müssen. Deshalb brauchen wir die Familieninitative: Sie schafft die
Voraussetzungen, damit Familien tatsächlich wählen können, wie sie ihre
Kinder betreuen wollen.
Auch aus Volkswirtschaftlicher Sicht zahlen sich Investitionen in eine
bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus: Berücksichtigt man die
zusätzlich bezahlten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und die
eingesparten Sozialhilfekosten, so nimmt der Staat unter dem Strich mehr
ein, als er für eine Kinderkrippe bezahlt. Rechnet man auch noch dass
zusätzliche Einkommen, das über den Konsum der Familien wieder in die
Wirtschaft zurück fliesst, so bringt jeder investierte Franken in die
Kinderbetreuung der Volkswirtschaft das Drei- bis Vierfache zurück. Es
lohnt sich für den Staat also auch aus finanzieller Sicht, in eine
bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu investieren. Mit einem Ja
zur Familieninitiative setzen wir die Weichen dafür.
Karin Schwiter, Kantonsrätin, Lachen
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